Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 7 (1929)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1929)
- Article
- Das Haus Israel
- Date
- 1929-03-01
- Page
- Seite 140 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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140 MENORAH des innerlich zersplitterten israelitisch-judäischen Gesamtkönigtums an. Es bildete sich eine Lage heraus, wo der offene Kampf auf dem Schlachtfelde zu versagen scheint, und wo selbst der Staat als sichtbares Organ des historisch-nationalen Lebens nicht mehr verhandlungsfähig ist. Die Zerstörung des hebräischen Staatswesens und die Verbannung nach Babel drücken den Höhepunkt des Zusammenbruchs aus. Der Zusammenbruch forderte die vor- und nachexilische Prophetie heraus, die sich berufen fühlte, eine radikale Umstellung des hebräischen Geistes und Menschen vorzunehmen. Die Aussichtslosigkeit nach außen hin eröffnete neugeartete innere Perspektiven. So in aller Kürze die Ereignisse und nun ihr Gehalt und Sinn, wie sie in zeitlicher Distanz sichtbar gemacht werden können. U bersieht man die jüdische Geschichte in ihrer antiken Gestalt, so drängt sich die Erkenntnis auf : Eine jegliche Geschichte ist im Grunde nur den allernotwendigsten letzten Ereignissen Untertan. Ihre Propheten und Wortführer bringen lediglich das zur Sprache, was im Schöße der Historie bereits gereift ist. Und mit Fug und Recht sprechen jene daher von Gesichten, die ihnen offenbar wurden. Ist es Magie, Symbolismus oder gar idealistischer Traum, von dem die großen Propheten heimgesucht werden? Nichts von alledem. Die allerletzte Realität, das „letzte Dasein" im Spiel der Ereignisse wird von der Prophetie erfaßt, um nachträglich ihren Sinn vor aller Welt zu enthüllen. Und in diesem Betracht ist die hebräische, ja die gesamt jüdische Geschichte samt ihrem Geiste der Wahrheit einer ,,Offenbarun g" gleich, die an gedankliche Reflexionen und willkürliche Vorstellungen von Menschen kaum gebunden ist. Mit einer Offenbarung, die eine allertiefste seelische Erschütterung zur Folge hatte, hat bereits die Geburt der Urnation im Sinai-Bund und andrenorts angesetzt. „Jahwe" als Gott des Weltbundes und des Bundes Israel, der unaussprechliche, Furcht einflößende und zugleich Sicherheit verschaffende, das von innen aus den Menschen ergreifende und zugleich sein Wesen mit Staunen, Entzücken und Freude erfüllende „Wort" wurde wirklich vernommen, tönte aus dem Getöse des Sinai- Vulkans, offenbarte sich in der Musik der Weltsphären und in den kriegerischen Bedrängnissen. Nur der große erschütternde musikalische Klang war von jenem erhabensten Worte noch sinnlich, menschlich. Sonst summierte sich in ihm das unerfaßbare All, das zur greifbaren bindenden Form, zur Berith-Wirklichkeit drängte. Auf dem Grunde VIII.