Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 7 (1929)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1929)
- Article
- Das Haus Israel
- Date
- 1929-03-01
- Page
- Seite 138 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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138 MENORAH liegt gerade in dem gemeinen Volk, in dem Tagelöhner, Landarbeiter, Handwerker, Schuldknecht, denen ihre Führungskunde angepaßt zu sein scheint. Und mit dem Levitismus wird erst die jahwistisohe Schicksalsgemeinschaft zu einer ausgesprochenen Kulturgemeinschaft erzogen. Auf jenen als Träger des geistigen Urfonds des Jahwe-Bundes gilt es achtzugeben. Noch bevor es zu einer Kodifikation des Jahwismus kam und ein nationaler Tempel als sichtbare Stelle Jahwes errichtet worden war, traten die Leviten als Schicht der besitzlosen Gebildeten gegen das aristokratische Priestertum auch für die Gesamthaftung als Grundpotenz der Nation ein. Sie taten es, indem sie einen unerbittlichen Kampf gegen den Orgiasmus lokaler Kulte, gegen allerlei religiös - mythologische Ausschweifungen, die der Seßhaftigkeit der Stämme ihr Aufblühen verdankten, führten. Sie waren es im Grunde, die die „Entmytho- und theologisierung" in Israel durchführten. Das hebräische Dasein wandelten sie in einen Ausschnitt des schlechthinigen Gottesdaseins, der Gottesgeschichte, um. Geistig gesehen, wurde hier eine Welt zwischen „Diesseits" und ,,Jenseits", zwischen „Transzendenz" und „Immanenz" ausgespannt und aufgerichtet. Das Leben wurde als Geschehen und Geschichte entdeckt und empfunden, und diese Geschichte Israels, die die Lebens geschieht e des Menschen schlechtweg zu bedeuten hatte, hatte den jenseits-diesseitigen Zwischenraum auszufüllen. Gott und Israel zimmerten von nun an an ein und demselben Werk, und Israels Geschichte wurde zum klassischen Vorbild aller neugearteten Völkergeschichte. Neugeartet war von nun an der Weg der Völkergeschichte, weil hier die Interessen der Humanität mit dem Wollen der Gottheit gleichgesetzt worden sind. Der Prometheusgedanke, wie er etwa bei den Indern auftaucht und im Griechentum zur Entfaltung gelangt und auf die Wahrnehmung der Menschenschicksale gegenüber dem Götterolymp hinweist, vermochte hier also keinen Boden zu fassen. Mit dem Jahwe-Bund setzte in der planitarischen Geschichte ein neues Weltalter ein, und Gott und Israel hafteten für seine Entwicklung. Die großangelegte Kulturpädagogik der Leviten als Meister des jahwistischen Bundesgedankens zog das zerstreute und widerspenstige Volk in die Sphäre der ethischen Gesamthaftung, und zum erstenmal in der Kulturgeschichte schickte sich ein ganzes Volk an, das Problem der Theodizee zu stellen und zu lösen. Die hebräische Geschichte hat die levitische Kullurnation gezeugt, und diese Kulturnation wTar schwanger mit der Idee der Rechtfertigung Gottes und der von ihm geschaffenen