Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 7 (1929)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1929)
- Article
- Das Haus Israel
- Date
- 1929-03-01
- Page
- Seite 137 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2912821-2912891-2912895-2923366--07609-2923462- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
DAS HAUS ISRAEL 137 schichte berichtet, haben sich je zur Berith-Idee aufgeschwungen. Nicht anders als die geschichtlichen Ereignisse, die Seelenverfassung ihrer Träger auf die Auswirkung der Bundesidee von entschiedener Bedeutung waren. Die Gruppierungen, wie sie durch die Urprozesse der Differenzierung gegeben sind, all die Mächtigen an Kraft und Besitz, all die Kundigen der Kriegskunst traten vor den Massen als Träger der Bundesidee zurück. Möglich, sogar höchstwahrscheinlich, daß die Befreiungsbewegung, die bereits in Ägypten und noch früher wiederholt anhub, den Sieg der nationalen Bundesverfassung in hohem Maße bestimmte. Die in der Befreiungsbewegung aufgeschlossene Seele strebte zu einer entsprechenden sozialen Verfassung. Was man als nationales und geistiges Schaffen eines Volkstums, einer beliebigen kollektiven Körperschaft bezeichnet, pflegt stets plötzlich zu entstehen, offenbart sich verhältnismäßig in kurzer Zeit. Möglich, daß die Geburt von langer Hand vorbereitet ist, die Geburt selber — und sie allein ist sichtbar — geht rasch vonstatten. Lediglich ihre Auswirkungen und die Erhaltlingskämpfe sind, nach historischem Augenmaß, von Dauer. So auch ging die Geburt des Sinai-Bundes, der sich zum Jahwe-Bund, zur Bundesverfassung schlechthin ausgebreitet hat, rasch vonstatten. An die große Tradition der Erzväter, dieses Vorbild aller Pilgrimväter, anknüpfend, mit der magna charta des Sinai-Bundes versehen, wandelten sich die auf kriegerische Expansion eingestellten Stämme in eine historische Gemeinschaft von Kolonisierenden. Das Hebräertum als der schlechthinige Kolonialtypus der Weltgeschichte mit seiner konzentrisch-eindeutigen Geistigkeit ist so ins Leben getreten. Der Herrscherwille wandelte sich in einen Bundeswillen um, und dieser Wandlung fiel selbst die Theokratie, die allen Völkern in ihrer Urgeschichte eigen ist, zum Opfer. Die Theokratie ging in die Theonomie, in göttliche Gesetzesherrschaft über, und die Leviten, ihre Meister, übernahmen die geistige Führerschaft unter den Bundesgenossen. Die besitz- und namenlosen Leviten, die auf keinen Geschlechternamen pochen konnten, vielfach einer Art von ,, Metöken" entstammten und lediglich das Wissen um Gott und die Weltordnung ihr Eigen nannten, gewannen die Oberhand. LJ m den Bau des „Hauses Israel" zu übersehen, muß man stets auch diejenigen, für die es errichtet wurde, im Auge behalten. In der Geschichte und Kultur spielt das „Für wren" eine nicht geringere Rolle als das „Was" und „Wer" geschaffen hat. Der Schwerpunkt des Levitismus VI.