Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 7 (1929)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1929)
- Article
- Das Haus Israel
- Date
- 1929-03-01
- Page
- Seite 136 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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136 MENORAH Symbol des Hauses der Menschheit schlechtweg erhaben wurde. Was bezeugen nun in aller Kürze die Ereignisse der Hebräergeschichte? V. D er Talbestand der Gliederung von Familien, Geschlechtern und Stämmen zu einer Volksgemeinschaft ist noch vielfach in Dunkel gehüllt. Das Problem des Volkswerdens und der Völkergestaltung wartet noch auf seinen großen Soziologen. Auch das Werden und Auftreten des jüdischen Volkes ist bei weitem noch nicht geklärt. Besser ist es mit dem historischen, nationalen Gebilde, Hebräertum genannt, bestellt. Bevor es noch ein an einem bestimmten Grund und Boden verankertes jüdisches Volk gab, sind Geschlechter und Stämme hebräischer Prägung in eine ziemlich eindeutige Bewegung geraten. Die Expansion, mit der jener geschichtliche Vorgang ansetzt, rief eine Konzentration und Vereinheitlichung im Gottesbewußtsein, im Rechtsgedanken, in ethischer Gesinnung und sozialer Betätigungsart hervor. Der Bundesgedanke, von dem die jahwistischen Schriftsteller berichten, war geboren und ist zur allseitigen Auswirkung gelangt. „Berith" der Gottheit mit den vielen, die sich um die Bundeslade scharten, „Berith" der vielen untereinander, ,,Berith" dieser Bundesgenossen mit den Naturgewalten und „Berith" endlich der so gewachsenen Bundesnation mit den unterworfenen Geschlechtern und Stämmen*). Dem Universalgedanken des Berith mußten endlich weichen auch die vielfach zerstreuten „Bet-El", diese Träger und Denkmäler lokaler und separatistisch gerichteter Gottheiten. Die starke Expansion mit ihrem Endeffekt der geistigen und sozialen Konzentration zeugte Geschichte, ballte Ereignisse zusammen und drängte zur Entscheidung. Die Tatsache der Expansion, der kolonialen Expansion, scheint zu genügen, um das Streben zur Einheit und Homogenität des tätigen Bewußtseins zu erklären. Allein der Gehalt dieses Bewußtseins, in unserem Falle die Idee des „Berith" nach allen Seiten hin, ist damit nicht gegeben. Wie die Berith-Idee, die ursprünglich ein Stammesabzeichen zu bedeuten hatte, in der Folge, nach der Darstellung der jahwistischen Schriftsteller, auf die Beschwichtigung der Naturkatastrophen (die Berith Nonas!), auf den Bund mit Gott (Abraham!), auf den Volksbund (Sinaibund!), auf den Friedensbund mit den Einheimischen und Bekriegten usw. usw. ihre Ausdehnung fand — ist auch durch die Expansion allein nicht zu erklären. Keine der Nomaden, von denen die Ge- •) Auf die „Berith". als Zentralbestand des Hebräertums, wies ich bereits in meinen -Ideen zur Philosophie und Kultur" (1910) und noch früher in der „Zukunft" (M. Harden) hin. M. Weber macht nun in der Folge diesen Tatbestand zur Grundlage seiner hebräischen Religions-Soziologie.