Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 7 (1929)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1929)
- Article
- Menachem ben Saruk und Dunasch ibn Labrat
- Date
- 1929-02-01
- Page
- Seite 126 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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126 MENORAH lieh, ich ginge zugrunde in meinem Elend.t; So wurde der Vater der Mäcen, nicht der Sohn. Menachem hatte nur wenig von seinem Werke schon ausgearbeitet, als Isak starb, er den väterlichen Freund und Helfer verlor. Die mangelhafte Liebe, die Menachem von Chasdai erfuhr, verringerte sich noch mehr. Er schien völlig verloren und wollte die Tage seines Elends lieber in der Heimat zubringen, so kehrte er denn nach Tortosa zurück. Chasdai gab seinen Schützling ganz und gar auf. Das war die Folge des Kampfes, den Düna seh ibn Labrat gegen Menachem führte. Dunasch, einer in Bagdad beheimateten Familie angehörig, war etwa 920 in Fez geboren, also jünger als Menachem. Er lebte wohl schon früh in Spanien oder hat zumindest starke Beziehungen zu diesem Land, vielleicht hat auch ihn Chasdai Forschungsintercsse ins Land gelockt. Er ist ein heftiger, ein ungestümer, heißer Kritiker, eine Kampfnatur, die den Saadja mit vSpott und Hohn belegt und an seine Gelehrtheit die Sonde schärfster Kritik anlegt. Man wird aber sein Vorgehen gegen Saadja noch milde nennen, wenn man es mit dem gegen Menachem vergleicht. Menachem mochte die Hälfte seiner Arbeit — ein Werk des Wortschatzes der Heiligen Schrift — etwa vollendet haben, als Danasch von sich reden machte und die erschienenen und bekannten Erklärungen mit Glossen belegte, die keineswegs immer das Richtige trafen und dazu persönliche, gehässige und geringschätzige Bemerkungen in Fülle enthielten. Die offen zu erkennende Sucht, dem Menachem jeden Glanz zu nehmen, war nicht dem Streben nach wahrer Forschung entsprungen, sondern, lag sozusagen in der Luft der beiden Länder, die die Wiege der Forscher sah. Dunasch war ein Afrikaner, Menachem ein Spanier. Die Lorbeeren des Spaniers Menachem ließen den Afrikaner Dunasch nicht schlafen und nicht ruhen. Die Bevorzugung des einfachen Wortsinnes — Pschat —, dem Menachem huldigte, wurde von Dunasch aufgegriffen, um ihn als einen Antikaräer, aber auch als einen Antirabbaniten, der Gegner der agadischen Ausdeutung ist, zu bekämpfen. Der Kampf wurde noch ungleichmäßiger durch die Wesensarten der beiden Parteien, Menachem ein leidender, ruhiger, demütiger Mensch, Dunasch dagegen ein leidenschaftlicher, hochmütiger und stürmischer Charakter, Menachem mußte danach der unterliegende sein. Der Kampf erweiterte sich, als die Schüler beider Meister sich hineinmischten und neue Angriffspunkte suchten. Menachem war während dieser Kampfzeit wieder in seiner Heimat oder anderen Städten Spaniens und war bemüht, im kaufmännischen Berufe seinen Lebensunterhalt zu finden. Aber bald kehrte er wieder nach C o r d o v a zurück. Chasdai wollte doch nicht auf halbem Wege stehen bleiben. Er hegte den Wunsch, das Werk vollendet und abgeschlossen zu sehen, das er veranlaßt hatte. Er stellte dem Menachem ein eigenes Haus in Cordova zur Verfügung, in dem er sein W7erk zur Vollendung führen könnte. Dunasch aber gab das Schüren seines LIasses nicht auf. Menachem drohte neue Gefahr. Chasdai verstieß ihn vollends und ließ das Haus des Menachem an einem Sabbathe sogar zerstören. Grausam war Chasdai gegen den Mann der Wissenschaft vorgegangen, hatte ihn des Daches beraubt, das seinen Leib schützen und die Früchte seines Geistes aufnehmen sollte. Man kann diese grenzenlose Härte wohl nur aus politischen Motiven erklären. Es finden sich der Tat Anzeichen dafür, daß Menachem beschuldigt wird, Chasdai beim spanischen Fürsten angezeigt zu haben. Menachem rechtfertigt sich gegenüber den Anschuldigungen, über die wir nichts Genaues wissen. Nun war ihm das Studien- und Lehrhaus genommen, die Sorge um das karge Brot des Lebens begann von neuem. Dazu kommt eine Vereinsamung, da ihn