Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 7 (1929)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1929)
- Article
- Vom Nil zum Jordan
- Date
- 1929-02-01
- Page
- Seite 114 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2912821-2912891-2912894-2923259--07578-2923336- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
114 MENORAH völkerung der Insel Malta ist arabischen Ursprungs, spricht einen arabischen Dialekt, der mit lateinischen Lettern geschrieben wird, und ist katholisch. Vielleicht stammt daher sein Judenhaß — ein arabischer mit einem katholischen gepaart. Denn ihn muß ich ohne Zögern als Judenfeind bezeichnen. Ueberdies war er in der ganzen Verwaltung vielleicht der einzige Mann, der wirklich Talent hatte. Er war klug wie ein kluger Jude, gebildet und gründlich, ein vollkommener Kenner der ökonomischen und politischen Lage Palästinas. Er kannte auch den Zionismus, wenigstens seine schwachen Seiten, kannte die Schwächen unserer Landwirtschaft, die Spaltung zwischen dem neuen Jischuw und der hundertprozentigen Orthodoxie, die Fehler der Finanzwirtschaft des Waad Hazirim. Ganz offen deklarierte er sich als Gegner des Zionismus, ganz offen stand er ihm auf Schritt und Tritt im Wege. All seine Heldentaten aufzuzählen, lohnt sich wohl nicht, aber sie zeichneten sich durch einen merkwürdigen Reichtum an Erfindung aus. Hiebe nach jeder Seite. Heute ein Befehl, daß alle Papiere im Zollamt entweder in englischer oder in arabischer Sprache ausgefüllt werden müssen — „andere" Sprachen sind nicht zulässig. Morgen ein gedruckter Bericht an die Londoner Regierung, der statistisch nachweist, Palästina lebe nur von der Landwirtschaft und die Juden spielen in der Landwirtschaft keine Rolle. Uebermorgen ein offizielles Projekt, dreißigtausend maltesische Einwanderer auf Staatsländereien anzusiedeln. General Money hörte ihm zu, wie ein Schüler seinem Lehrer. Es geschah auch auf Gabriels Einfluß, daß Money sich eine öffentliche antizionistische Demonstration erlaubt hatte. Bis zu seiner Zeit galt unsere „Hatikwah" als eine der offiziellen Nationalhymnen, die stehend angehört werden mußten. General Windham, der Oberkommissär Aegyptens, hatte während des Aufmarsches der Legion in Kairo, von „Od lo awdah" bis „Sehimu achai", die Hand am Kappenschild gehalten — nebenbei gesagt, eine recht lange Zeit! Auch Allenby hatte sich bei der „Hatikwah" erhoben, anläßlich der Grundsteinlegung für die Universität. General Money aber blieb sitzen: das geschah bei einer jüdischen Festlichkeit, in einer jüdischen Institution, in Anwesenheit fremder Konsuln und arabischer Notabein. Selbst neueingeteilte Beamten, die uns aus Aegypten geschickt wurden, waren bereits vom Antisemitismus angesteckt. Ich erinnere mich an einen — es war der neu angekommene Gouverneur