Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 7 (1929)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1929)
- Article
- Vom Nil zum Jordan
- Date
- 1929-02-01
- Page
- Seite 112 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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112 MENORAH wie ein Roman, aber hier ist dies nebensächlich. Was ich bei beiden unterstreichen möchte, ist etwas anderes: das Großarabien", von dem sie träumen, muß unbedingt „pittoresk" bleiben. Kamele, Karawanen, weiße Burnusse, grüne Tschalmas, verschleierte Frauen, Harems, die ganze Dekoration des „Orients" muß als Heiligtum erhalten bleiben. Sie erbeben geradezu vor Mitleid, daß diese Schönheit, Gott behüte, nicht von einem Zuviel an Zivilisation zerstört würde. Vielleicht steckt ein bewußter oder unbewußter Instinkt dahinter, daß der Herrscher, solange er mit gekreuzten Beinen auf dem Boden sitzt, eines englischen Beraters bedürfen würde; und vielleicht auch dies nicht — vielleicht war es aufrichtige, hundert Prozent reine Sehnsucht nach dem Mittelalter. Aber die Lust, die Palmendekoration in Ewigkeit zu erhalten, klingt bei ihnen aus jeder Zeile. Das ist auch ein typisches Merkmal für diese Kategorie von englischen Barbarophilen. Erklärte doch Storrs: „Solange ich lebe, werde ich in Jerusalem keine Straßenbahn zulassen". Ein anderer aus derselben Schule, Stephan Graham, der Rußland entdeckt hat, pflegte auch in seinen Büchern „die Schönheit der Zarenautokratie" und die Gerechtigkeit der Sibirien-Verbannung zu besingen. Und noch während der Kerenski-Revolution schrieb er ganz offen in der „Times": „Mir bricht das Herz. Ich hoffte, Rußland würde ewig ein Museum von mittelalterlichen Einrichtungen bleiben . ..." Für Leute wie Lawrence und Phiiby war die Balfour-Deklaration ein Stich mitten ins Herz. Wohl hatten sie Juden gesehen, reiche in den Salons der Lady N. N. und arme in Whitechapel: das genügte ihnen, um zu begreifen, daß es sich beim Projekt eines jüdischen Nationalheimes nicht um „pittoreske" Chassidim mit Schläfenlocken handelt (dies wäre noch verzeihlich — warum denn nicht? Man ist doch kein Judenfeind!), sondern um moderne Juden, mit Hosen auf den Beinen, mit Kappen auf den Köpfen und mit europäischen Gedanken in den Hirnen. Schluß mit der ganzen Dekoration! Eine Straßenbahn in Jerusalem! An Stelle der Kamele und der Palmenlandschaft — rote Dächer, funkelnagelneue Kolonien, wo Mädchen mit jungen Leuten auf den Straßen promenieren, wie in England! Ein Ruin! Ich spotte nicht. Es entspricht der Wahrheit. Lawrence veröffentlichte in jener Zeit einen Artikel in einem Londoner Blatte, aus dem man gegen seinen Willen, einen Beiklang wie Zähneknirschen vernahm. Der Inhalt: Er sei auch für den Zionismus,