Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 7 (1929)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1929)
- Article
- Zolas Verhältnis zum Judentum
- Date
- 1929-02-01
- Page
- Seite 100 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2912821-2912891-2912894-2923254--07558-2923322- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
100 MENORAH keine Juden gibt, da die Kirchen aufhören zu existieren, ist mit Zionismus beileibe nicht vereinbar. Auch das bekanntgegebene Dossier zum geplanten Justice-Romane zeigt gar keine zionistischen Anwandlungen. Es ist dort lediglich die Idee eines messianistischen Zukunftsromans entworfen, der eine verbrüderte Welt schildern soll, in der Friede und Liebe die Gesamtheit der Nationen umspannen wird. Durch Gerechtigkeit soll dies künftige Paradies auf Erden geschaffen werden. Und Frankreich fällt die Rolle des Messias zu. Wie verbindet sich dieser Plan, der vollständig auf der Linie des gesamten Zolaschen Evangelienwerkes liegt mit der Absicht, Justice zu einem zionistischen Roman zu machen? Wann und wie kam dieses Element, das man nicht umhin kann, in Zolas Welt als fremd zu empfinden, hinzu? Ist es der Einfluß seines Freundes Nordau, der schon damals in der zionistischen Bewegung eine führende Rolle spielte, daß Zola die Rückkehr der zerstreuten Söhne in das verlassene Vaterland als höchstes Symbol und tätige Bewährung einer völkerumspannenden Gerechtigkeit schildern wollte? Ist es der Einbruch der lyrischen Kräfte und der Phantasie, die Zola in diesem Zukunftsroman, wo er sich nicht wie sonst verpflichtet fühlte, an die Wirklichkeit genau zu halten, so gerne spielen lassen wollte, der ihm diesen Streich führte und in Träume von Messiaszeiten und Allgerechtigkeit die Idee an Zion hineinwob? Wirkt sich darin die alte fest vor Jahrtausenden geschmiedete Verbindung zwischen Völkerverbrüderung, Friede und Judentum aus3 die, berührt man nur diesen Gedankenkreis, sich immer zwangsläufig einstellt? Wie dem auch sein mag, logisch ist Zolas Zionismus aus seiner Weltanschauung nicht zu konstruieren. Er ist auf diesem Boden ein fremdes Gewächs. Ja sogar, wenn man will, eine Unkonsequenz. Doch eine, die prophetisch die Entwicklung der Dinge v o r w egnim m t. Die irrationalen Kräfte, denen Zola endlich freien Lauf zu geben sich erlaubte, erstarkten indessen auch in der Welt und gewannen die Oberhand. Der Positivismus wich einer neuen Romantik. Und in der Judenfrage löste den Liberalismus und die Indifferenz der positivistischen Periode eine Erstarkung des jüdischen Volksbewußtseins bei den Juden und propalästinensische Gesinnung bei Nichtjuden einstiger dreyfußianerischer Prägung.