Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 7 (1929)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1929)
- Article
- Zolas Verhältnis zum Judentum
- Date
- 1929-02-01
- Page
- Seite 99 (sequence 4)
- Language
- German
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ZOLA - JUDENTUM Zola ist eben ein Judenajiwalt jenes alten französischen Schlages, wie ilin die Aufklärung des 18. Jahrhunderts hervorgebracht hat. „La vraie question . . . est de savoir si les Juifs sont des hommes1' meint im Jahre 1777 Lacretelle, ein Advokat in Nancy, der in einer Eingabe an das Parlament die Aufhebung einer rechtlichen Beschränkung der Juden fordert. Zehn Jahre später hat im Namen eben dieses Prinzips Mirabeau die Emanzipation der Juden durchgeführt haben wollen. Und jetzt, ein Jahrhundert später, faßt Zola die vSache auch nicht anders auf. Die Juden sind Mensehen, also gebühren ihnen voll und ganz alle Menschenrechte. Von einer Judenfrage, von einer Ausnahmesituation ist keine Rede. In keiner Umsicht. „Schon lange gibt es keine Juden mehr, da es ja auch bald keine Katholiken mehr geben wird. Das Verschwinden der Kirchen ist das Ende aller Religionsfehden" läßt er gegen Ende des Romans Verite den Lehrer Marc sagen, mit dem er sich offensichtlich identifiziert. Da nun dieser Roman mittels einer ganz durchsichtigen Transposition die Dreyfußaffärc mit all ihren Zwischenfällen, Motiven und Stimmungen völlig wahrheitsgetreu schildert, so kann jener Ausspruch als Zolas Credo betrachtet werden, das er während und nach der Affäre bekannt hat. Ks ist dies auch wirklich auf dem Boden der Weltanschauung, die er vertrat, der einzig mögliche Standpunkt in dieser Angelegenheit. Und doch. Es sollte nicht seiner Weisheit letzter Schluß bleibe-}. Ais im vorigen Winter, anläßlich des 25. Todestages Zolas im veröffentlichte Briefe und Materialien zu seinen Arbeiten gesichtet wurden, da erfuhr man, daß er die Absicht hatte, einen zionistischen Roman zu schreiben, der ein Trompetenstoß sein sollte, ein enthusiastischer Aufruf für ein jüdisches Palästina. Seihst an eine Palästinareise sollte er schon gedacht haben, um für das neue Werk Eindrücke zu sammeln. Dem geplanten Buch war der vielsagende Titel Justice zugedacht und es sollte das vierte und krönende Werk des Romanzyklas Les Evangiles bilden, in dem Zola sein moralisches Vermächtnis, das also, was er für die ethischen Grundlagen der aufzubauenden Welt hielt, niederlegen wollte. Die Angelegenheit ist geradezu mysteriös. Verite, der dritte Roman jener Evangelien, ist im Jahre 1902, kurz vor Zolas Tode, fertig geworden und enthält nicht nur keine Spur von zionistischen Ideen, sondern überhaupt keine möglichen Anknüpfungspunkte für sie. Denn mit der oben angeführten Ansieht, daß es in dem Moment