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Menorah · 1929-02-01 · Heft 2 (Februar 1929) · p. Seite 98

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
7 (1929)
Issue
Heft 2 (Februar 1929)
Article
Zolas Verhältnis zum Judentum
Date
1929-02-01
Page
Seite 98 (sequence 3)
Language
German
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<)8 MENORAH die Wahrheit und mit ihr das Recht aufzurichten. Wer der unmittelbar Geschädigte ist, kommt da gar nicht in Betracht. Eher schon ist es von Belang, daß der Unrechtfcuende sein Volk ist, denn hei aller Menschenliebe liegt ihm das eigene Land mehr am Herzen als der unbekannte unschuldig Verurteilte. Mit dem Fanatismus eines Sektierers glaubt nämlich dieser überzeugte Positivist und Anhänger nur experimentell beweisbarer Erkenntnisse daran, daß sich, Mensch oder Volk, wer je gegen Wahrheit und Gerechtigkeit verstößt, vollständig, auch materiell, zugrunde richten muß. Nur wenn man diese nahezu mystische WahrlK *' > und Gerechtigkeitsliebe im Auge behält, kann man Zok Stellung zum Judentum verstehen und die Paradoxen lösen, die .vom Verhalten sonst aufzuweisen scheint. Zola hat bekanntlich vor seinem Eintreten in den hampf gegen den Antisemitismus in seinen Romanen gelegentlich Judentypen gezeichnet, die durchweg so unsympathisch waren, daß er deswegen in den Ruf eines Antisemiten kam. Den Schöpfer des unredlichen Deputierten Kahn — aus ,,Son Exellence Rcugon-Maeari1', des verderbten Millionärs Steiner — aus „Nana" — und endlich der widerlichen Judengestalten des Romanes „L'Argent" nun plötzlieh für Juden Lanzen brechen zu sehen, war gewiß keine geringe Ueberraschung. Man hätte fast an eine Bekehrung glauben mögen und jenen Artikel Pour les Juifs, mit dem er das Schlachtfeld betrat, als eine Art öffentlicher Buße auffassen können. Gegen diese einfache und sentimentale Interpretation seiner Handlungsweise spricht aber die merkwürdige Tatsache, daß er zwei Jahre später, im Jahre 1898, also mitten im heißen Kampf, an dorn er selbst aktiv teilnahm, wieder einen Roman erscheinen ließ es war ,,Parisu — dessen Juden nicht um ein Jota günstiger gesehen sind, als es vorhin der Fall war. Daß Zola sich weder von der Not, in der sich damals die Juden befanden, noch von der Gefahr, durch seine Schilderungen seinen eigenen Gegnern Argumente in die Hand zu spielen, bestechen ließ, die Juden nicht so zu schildern, wie er es wirklich - keitsgemäß tun zu müssen glaubte, zeugt von einer rigorosen Wahrhaftigkeit, die ihresgleichen sucht. Andererseits beweißt aber auch die so unveränderte Haltung, wie unabhängig sein Tun von irgendeiner gefühlsmäßigen Voreingenommenheit für Gder gegen die Juden, wie rein von Antisemitismus er vor der Affare und wie ledig jedes Philosemitismus er während ihr war.

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