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Menorah · 1929-02-01 · Heft 2 (Februar 1929) · p. Seite 97

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
7 (1929)
Issue
Heft 2 (Februar 1929)
Article
Zolas Verhältnis zum Judentum
Date
1929-02-01
Page
Seite 97 (sequence 2)
Language
German
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ZOLA — JUDENTUM 97 Sclirü'tsteilerkarrierc gegen die täglichen Aufregungen eines politischen Kampfes vertauschte und der guten Sache willen Verfolgungen, Prozesse und Exil ertrug, war ganz und gar nicht das, was man einen Judenfreund nennt. Nie. Und nicht im geringsten. Das nun macht ihn nicht nur um so interessanter, sondern auch um so wertvoller. Denn gewiß steckt viel Wahrheit in der bitteren Bemerkung Bernard Lazares, des jüdischen Protagonisten in der Dreyfuß-Affäre, die Juden wären immer von Philoebenso wie von Antisemiten ausgenützt geworden. Zola aber nun, um es nochmals zu sagen, war kein Philosemit. Was ihn bewog, sich den Dreyfußianern mit Leib und Seele zu ergeben, war nicht das Erfühlen der Tragödie des Judentums, das wieder, kotbespritzt, aus der französischen Gemeinschaft, an der es mit der ganzen Liebe seiner leidensmüden und lebensdurstigen Seele hing, ausgeschieden werden sollte. Es war kein Mitleid mit dem Volke, dessen Martyrium kein Ende nehmen wollte. Keine Liebe zu den Bedrohten, und sei es um ihrer einstigen Leistungen halber. Nirgends erwähnt er die Judennot. Auch in jenen Zeiten nicht, als der Antisemitismus so arg wütete, daß man sich an Juden tätlich verging. ,,Seit einigen Jahren — heißt es in Zolas Artikel ,,Pour les Juifs", der seinen Eintritt in die Schranken bedeutet — sehe ich mit wachsendem Entsetzen, daß gewisse Leute in Frankreich gegen Juden aufzuwiegeln versuchen. Dies halte ich für monstruös, das heißt, gegen alle Vernunft, Wahrheit und Gerechtigkeit und obendrein für unsinnig und für etwas, das uns um einige Jahrhunderte zurückwerfen und in dem Schrecklichsten der Schrecken, in religiösen Verfolgungen enden würde." Damit ist der Ton angegeben. Er ist verzweifelt und sieht das Ende der Dinge kommen. Er glaubt verrückt werden zu müssen und kann, er, der typische Arbeitsmensch, tagelang nichts tun. Was ihn aber in diese Stimmung versetzt, ist das Gefühl, es seien „Wahrheit und Gerechtigkeit für immer verschwunden", die ,,Lüge triumphiere über die Wahrheit" und, ,,dem Lande, ja, der zivilisierten Menschheit drohe das furchtbarste Unglück — das Ende jedes Ehrgefühls." Er ist eben, wie er sich selbst einmal charakterisiert, ein logischer und klarer Geist, der leidenschaftlich der Wahrheit bedarf. Solange er ihrer entbehrt, kennt er keine Ruhe. Und wenn Lüge um ihn gesponnen wird und Unrecht, das immer auf Lüge aufgebaut ist, geschieht, da hat er keine Wahl; er muß eingreifen und alles dransetzen, um

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