Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 7 (1929)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1929)
- Article
- Zolas Verhältnis zum Judentum
- Date
- 1929-02-01
- Page
- 96 (sequence 1)
- Language
- German
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ZOLAS VERHÄLTNIS ZUM JUDENTUM Selten je hat ein Nichtjude soviel für Juden getan wie Zola. Er ist es, der sich als erster den hochsteigenden Wellen des Antisemitismus, der in der eigens dazu gegründeten Libre Parole von Drumond gepredigt wurde, in einem flammenden Artikel „Pour les Juifs" entgegenstellte. Er ist es auch, der jenes eindrucksvolle J'accuse" in die Welt schleuderte, in dem er, wieder als erster, die lügenhafte Taktik der Dreyfußgegner durchschaute und an den öffentlichen Pranger stellte! Sein Verdienst — denn er war nicht nur die Seele, sondern auch der berühmteste, also meist gehörte und beachtete Wortführer der Dreyfußianer — ist es auch zu nennen, daß alle demokratischen Elemente des Landes sich der Sache des Juden, die ja immer die der Juden ist, angenommen haben. Von Anfang an stellte Zola die Angelegenheit auf eine breite Basis und zeigte, daß es sich nicht nur darum handle, einen unschuldig Verurteilten zu seinem Rechte kommen zu lassen, sondern daß man es hier mit einem Vorstoß der Reaktion gegen die Demokratie zu tun habe, der, gelingt er, Frankreich um all seine postrevolutionären Errungenschaften bringen würde. Demgemäß wurde auch durch die erfolgreiche Kampagne für die Befreiung Dreyfußens, die jeder Anklage bis ins Kleinste nachging und sie in allen Punkten dementierte, nicht nur die antisemitische Propaganda von damals geschwächt, indem man ihre Argumente entkräftete und ihre Anlässe aus der Welt schaffte, sondern es wurde für lange Zeit dem Antisemitismus als solchem der Boden in Frankreich abgegraben. In dem großzügig geführten Kampfe wurden es nämlich die Dreyfußianer, die diesen Prozeß zu einem Duell zweier Weltanschauungen umbildeten, nicht müde, den Antisemitismus als Vorposten und Verbündeten des Klerikalismus, Militarismus und Monarchismus zu demaskieren und seinen Ursprung in dunkelsten Regionen des Seelenlebens nachzuweisen. Durch diese tiefschürfende Aufklärungsarbeit machten sie ihn zum Greuel für jeden Republikaner, und da sie außerdem die demokratische Gesinnung zu festigen in hohem Maße beitrugen, so kann wohl mit Recht gesagt werden, sie, also vor allem Zola, wären es, die Frankreich jene Immunität gegen die antisemitische Seuche beigebracht hätten, die es bis heute noch auszeichnet. Dieser aufopferungsvolle Juden Verteidiger aber, der ohne Zaudern sein geordnetes Leben im Elfenbeinturm einer erfolgreichen