Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 7 (1929)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1929)
- Article
- Entwürfe für eine Synagoge
- Date
- 1929-02-01
- Page
- Seite 93 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 90% known words query
- IRI
…/2912821-2912891-2912894-2923251--07544-2923315- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
ENTWÜRFE 93 Grundbau mit einem kleineren kubischen Aufsatz, den ein seichtes Zeltdach beschließt. 6. Fortan geht es um dieses Zelt. Der Hauswürfel bleibt, wird horizontal gestreift, mit wenigen, weit abstehenden Ornamenten von geometrischem Zug versehen und mit einem Zinnenkranz aus Dreiecken und Halbkreisen gekrönt. In seiner Mitte das Zelthaus mit erhöhtem Gewände und steilerem Dach. 7. So, fast selbständig ausgebildet, wirkt das Dach jetzt auch auf den Unterbau, der sich an der Front mit drei Dreieckgiebeln darbietet, während das Zelt in der Mitte nach jeder Seite wiederum einen solchen, kleineren Giebel aussendet. 8. Das achte Blatt vervielfacht unten und oben das Giebelwerk, so daß für einen Augenblick das Zelt verschwindet und an seiner Stelle eine Art Sakramentshäuschen erscheint, das in einer schlanken Turmspitze endigt. 9. Das eben erwähnte Intermezzo wäre nicht so wichtig, würde es nicht an der Vorbereitung der endgültigen Form förderlich beteiligt sein. Das aber zeigt Blatt 9. Nun ist die Schauwand unten in sechzehn schmale Giebel aufgeteilt, das Zelt darüber hat an dieser Seite drei gleiche Glieder — aber es ist kein eigenes, aufgesetztes Zelthaus mehr, sondern nur ein Zeltdach, das unmittelbar in den Grundwürfel eingreift. Die Vereinfachung der Form, die Abkehr vom schmuck- und gliederhaft Bewegten, die Klärung und Kräftigung des Baulichen ist wieder auf bestem Wege. 10. —12. Mittlerweile hat der Künstler schon dreimal versucht, den Tempelraum — wie schon durch die erste Kuppel — in seiner ganzen Ausdehnung mit verschiedenen Dächern zu decken, also beide Teile in einer Gestalt aufgehen zu lassen. 13.—15. Nun tritt in dieser einfachen Fassung auch die Zeltform auf den Plan. Drei Zeichnungen zeigen sie derart geschlossen, daß man annehmen möchte, den Unterbau bilde ein kreisförmiges Mauerwerk mit gleichweit gespannter Decke, wie ja auch einmal die Rippen dieser Decke gewölbt erscheinen. Diese Rundform, die mit ihrem Zeltdach besonders rein zusammengeht, hat nun wieder dasselbe schön gebundene Maß wie jener erste Entwurf mit der Kuppel. Das heißt: schon beim ersten Versuch war mit dem Grundriß auch das Raumverhältnis erreicht, seither umspielt die Form diesen Wesenskern, ihr Spiel bleibt gesetzlich fundiert und verkettet.