Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 7 (1929)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1929)
- Article
- Entwürfe für eine Synagoge
- Date
- 1929-02-01
- Page
- Seite 94 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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94 MENORAH 16. So ergibt sich das Endgültige, jene Haiulzeielinung, die nachher von den Hellern des Künstlers in genauen Abmessungen sauber aufs Papier gebracht und mit Plänen und Schnitten derart versehen wurde, daß sie von jedem Sachkundigen geradewegs verwirklicht werden kann. Sie greift zurück auf die Zweiteilung: unten der flache Würfel mit glatten geschossenen Mauern, umfaßt von einem schlicht gekerbten Rahmen, oben — auf die Mitte beschränkt — die steile Pyramide des gläsernen Zeltdaches. An der Vorderwand sind über einem Steinlager zwei aufrechte Bogen - tafeln eingelassen, die an die Tafeln des Gesetzes erinnern, seitwärts steht eine freie Säule, die auf ihrem abgeschrägten Kapitell ein heraldisches Tier, den Löwen Judas, trägt. Aber nicht diese sparsam und sinnig gewählten, mit vornehmer Wirkung eingestellten Symbole entscheiden, sondern die Bauform, die jetzt ganz rein und leicht geworden ist, streng und doch fein, vor allem aber Mantel nur des hellen heiteren Saales, den sie umsehließt, — also IIa umform. Das berichten die sechzehn Handzeichnungen des Baumeistern Josef Hoff mann, Glieder und Ende der Kette seiner Entwürfe für den Tempel in Sillein. Doch die Bedeutung dieser Blätter reicht weit hinaus über den Berieht: In das von einem üblen Herkommen brachgelegte Eeld des Synagogenbaucs hat nach vielen vergeblichen Versuchen moderner jüdischer Künstler, aber unabhängig von ihnen, ein niehtjüdischer Architekt von erstem Rang neues, keimkräftiges Leben gepflanzt. Denn er hat die Einladung nicht mit einem leichtfertigen Einfall, mit einer freien Künstierlaune beantwortet, sondern er hat mit vorbildlichem Ernst die Aufgabe als Problem genommen und behandelt. Eben darum ist er im Verlauf seiner Arbeit von der Kuppel, dem Requisit einer unberateneii Tradition, allmählich abgeraten, hat den eitlen monumentalen Anschein preisgegeben, um vorerst — was hier am meisten nottat — wieder sachlich zu werden. Wie sich auf diesem Wege das Klare, das Funktionelle, das Harmonische und zuletzt auch das Sinnige eingestellt hat, das ist grundsätzlich ebenso wichtig wie die Erhöhung des Schlichten zum Feierlichen. Denn mehr noch als die neue Form braucht unser Tempelbau die neue Einfalt, die den hergebrachten allzu menschlichen Pomp verwirft und die Würde des Ortes reiner verwirklicht. Aber auch die erzielte Form will beachtet sein. Den Künstler mag, als er ihr nähertrat, die Erwägung bestimmt haben, daß