Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 7 (1929)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1929)
- Article
- Eine italienische Reise
- Date
- 1929-02-01
- Page
- Seite 84 (sequence 9)
- Language
- German
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34 MENORAH seltenster Wiegendrucke, die wunderbarsten Bucheinbände auch zwei Thorarollen, aus dem 15. und 16. Jahrhundert, auf den feinsten Pergamenten — sonst hat auch er — dieser glückliche Besitzer dieser erlesenen Schätze, nichts vom alten Judentum. — Aber ein Fremdenbuch besitzt er, in dem Könige und Fürsten, die größten Finanziers beider Welten, die bedeutendsten Künstler,. Schriftsteller und Sammler sich eingeschrieben haben. — Doch auch dieser sicher hervorragend orientierte Mann, dem wir für den hohen Genuß, seine Sammlung gesehen zu haben, herzlich dankbar waren, wußte nichts von dem Judentum vergangener Zeiten, auch die Museumsleiter und Antiquitätenhändler — nichts. Nur im Hotel erfuhr ich von dem alten Portier, einem eingeborenen Florentiner, näheres. „Im Jahre 1882 wurde das Ghetto abgerissen, auf dem Terrain stehen wir eben hier, all die Paläste in diesem Stadtteil, heute dem Zentrum und dem vornehmsten, stehen auf Ghettomauern. Als hier vor der Tür vor einigen Monaten die Wasserleitung erneuert wurde, konnte man noch Teile des alten Judenviertels sehen, hier unten ist es begraben. Begraben l denn man wird diese Paläste nicht niederlegen, — um das Ghetto auszugraben. Damals, Anfang der 80er Jahre, hatte man dann an Stelle der Synagogen, die hier unten liegen — den neuen Tempel gebaut'— Und doch könnte man die Geschichte der Juden in Florenz schreiben, ihre Kulturgeschichte. In den Archiven und Klöstern liegen noch viele Schätze ungehoben und auch in den Museen. — Wir waren in den Ufficien, im Palazzo-Pitti, wir sahen den David von Michelangelo, Philippo Lippi, Botticello, Raffacl. — Ich will hier nichts von diesen alten Gemälden erzählen, die haben viele auf ihrer Reise nach Italien gesehen oder von ihnen gehört und gelesen. Aber eins fiel mir auf. Als wir diese Herrlichkeiten schauten, diese Bildergalerien durchwanderten, kamen mir einige dieser Porträts so bekannt vor, als hätte ich sie irgendwo in den Kreisen meiner Glaubensgenossen schon gesehen. Dieses Porträt von Paolo Veronese muß doch einen angesehenen, reichen Juden aus Florenz darstellen??? Das Schildchen lautete: „Dargestellter unbekannt". Und jenes Bild ist doch sicher ein bärtiger Jude, diese Augen kenne ich doch — es ist ein Gemälde von Jacopo Tintoretto. — Der Titel lautet: Venezianischer Gelehrter (kein Name.) Und so fand ich auch in den anderen Sälen unter den Wunderwerken des 15. und 16. Jahrhunderts, sonst beinahe bei einem jeden Porträt den Namen des Dargestellten — nur sieben oder acht, gerade die, die ich für Juden hielt — bei all diesen lautete