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Menorah · 1929-02-01 · Heft 2 (Februar 1929) · p. Seite 85

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
7 (1929)
Issue
Heft 2 (Februar 1929)
Article
Eine italienische Reise
Date
1929-02-01
Page
Seite 85 (sequence 10)
Language
German
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EINE ITALIENISCHE REISE die Bezeichnung: „unbekannt". Es ist nicht unwahrscheinlich, daß diese damals angeschenen, gelehrten und reichen Juden sich von den zeitgenössischen großen Meistern ehenso malen ließen wie heute — die intimen und oft kostspieligen Beziehungen werden sie wohl gehabt haben. Wo findet sich unter den jüdischen Forschern einer, der die Geschichte der Juden in Florenz schreibt??? — Ueber Pisa, Genua, Turin berichte ich ein andermal. Hier nur sioch das. Wir Juden in Deutschland leisten an Indifferenz gewiß reichlich, aber von der religiösen Uninteressiertheit der Bevölkerung in Italien können wir uns selbst nach dem hier ausgeführten noch keinen Begriff machen. In einem Lande, in dem seit 1848 und 1859 den Juden immer mehr und mehr wirtschaftliche und politische Freiheit gegeben wurde, in dem seit 1870 jede unterschiedliche Behandlung aufgehört hat, in dem ein Ernesto Nathan dreimal zum Bürgermeister von Rom, General Guiseppe Ottolenghi zum Kriegsminister, Senator Giacomo Malvano, Oberpräsident des Staatsrats, ein Jude Leone Wollemborg Finanzminister, der Führer der Demokraten, Salvatora Barzilai und der Führer der Sozialisten Clanedio Trewes gewesen sind und der Ministerpräsident von 1910/11 der gemäßigte konservative Jude Luigi Luzatti — in einem Lande, in dem zwölf Israeliten im Senat des Königreichs sitzen, (die Senatoren werden vom König auf Lebenszeit berufen) und etwa 60 ordentliche und außerordentliche Professoren in allen Fakultäten der Universitäten des Landes lehren, ohne sich haben taufen lassen müssen — in einem solchen Lande, in dem es keinen Antisemitismus gibt, wird das Judentum nur auf der Stärke seiner religiösen Macht bestehen können. In den ersten Jahrhunderten unserer Zeitrechnung, im alten Rom sahen wir wie die Juden alljährlich als die Erstlinge, ihre Spende nach Jerusalem sandten, um den Tempel in der heiligen Stadt wieder aufzubauen und zu erhalten — heute sammelt die jüdische Jugend Italiens wieder den Schekel für Zion. Sie sind meist Zionisten aus Not und Bedrängnis, nicht Anti-Italienisch — nein! Sie sind glühende Patrioten, aber was ihre Seele bindet mit den vergangenen Geschlechtern und in der Tiefe ihrer Herzen keimende Hoffnung — der Zukunft ist, das sind (selbst unbewußt) die tiefen Gründe aller Sittlichkeit und die letzten Quellen des Guten — sind das Gefühl ihrer weihevollen Würde und die Einsicht in ihre, allein einen Weltzw?eck offenbarende Hoheit und Erhabenheit zur Beseligung der Menschen—das ihr Tasten beendet —, ist doch die Religion des Judentums.

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