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Menorah · 1929-02-01 · Heft 2 (Februar 1929) · p. Seite 83

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
7 (1929)
Issue
Heft 2 (Februar 1929)
Article
Eine italienische Reise
Date
1929-02-01
Page
Seite 83 (sequence 8)
Language
German
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EINE ITALIENISCHE REISE 83 de facto keinen Zwang, die Juden zu Gemeindesteuern heranzuziehen. Wo aber ist das alte Judentum geblieben, wo die reichen Juden des 14., 15. und 16. Jahrhunderts, in dieser Kapitale, wo das Ghetto, das auch hier 1571 errichtet wurde? — Als ich nach Besichtigung dieser Synagoge (siehe Abbildung) ziellos durch die Straßen wanderte (ganz ziellos nicht, denn ich suchte das alte Ghetto) sprach ich, wie immer in fremden Städten, solche Menschen an, die ich für Glaubensgenossen hielt; einen, der sicher nicht in Florenz geboren zu sein schien: Wo ist hier die alte Synagoge — der Tempel Ebreo?? Er antwortet italienisch, gebrochen französisch — da wagte ich es: „Scholaum alechem" und pünktlich kam der Gruß zurück: „Alechem Scholaum". Wir haben uns dann in schlechtem Deutsch verständigt. Er stammt aus Rußland, besuchte die Jeschiwa, wollte — sollte Rabbiner werden, dann kam der Krieg — er ging als Chaluz nach Palästina, hat dort sechs Jahre schwer gearbeitet und dabei Jura studiert — seit eineinhalb Jahren ist er in Florenz, er spricht schon leidlich italienisch, gibt in kleinbürgerlichen Familien hebräischen Unterricht, verdient etwa 50 Lire (ungefähr 10 RM.) im Monat — studiert weiter Jura und hofft, jetzt in einem Jahre sein Staatsexamen zu machen (Juden-Schicksal). Ich fragte ihn, ob er hier einmal etwas vom alten Judentum gesehen hätte. O doch! Er hatte alte hebräische Bücher und Megilloth, und ich möchte ihn doch besuchen. In einer schmalen Straße stiegen wir 3, 4, es können auch 5 Treppen gewesen sein. In seinem Zimmerchen sah es ,,etwas ihm heimatlich" aus. „Sie sind hier nicht bei einem reichen Mann", sagte er, worauf ich ja nicht gerechnet hatte — aber alte hebräische Bücher hatte er gewiß mehr wie viele Reiche — er gab mir gern einige ab. — So viel Geld hatte er noch nie besessen. Nachmittags besuchten wir den wohl bedeutendsten Buchhändler und Antiquar in Florenz (ja ich darf wohl sagen in Italien). Er stammt aus der Nordostecke unseres Vaterlandes. Er lud uns in sein Haus, um uns seine Bibliothek zu zeigen. In der Halle, die er auf seinem Grundstück weit draußen in dem Villenviertel von Florenz erbaut hat, sahen wir das Schönste, was man an illustrierten Handschriften schauen kann, von Dante, von Petrarca, Torquato Tasso, die herrlichsten Bibelhandschriften, neues Testament — auch das Gebetbuch der Mediceer, die

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