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Menorah · 1929-02-01 · Heft 2 (Februar 1929) · p. Seite 79

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
7 (1929)
Issue
Heft 2 (Februar 1929)
Article
Eine italienische Reise
Date
1929-02-01
Page
Seite 79 (sequence 4)
Language
German
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EINE ITALIENISCHE REISE 79 ein alter vorhanden sein, aber er wäre nicht mehr im Gebrauch und er würde uns einen Boy mitgeben, der uns hinführe".--Der führte uns durch breite, lange Straßen mit vier-, fünf- und sechsstöckigen Häusern, bis zu einem, das weder durch sein Aeußeres noch durch besondere Kennzeichen von uns als ein Gotteshaus angesehen worden wäre.--Es kam sofort ein Diener, der uns die breite Stiege nach oben führte, und uns bei dem Herrn Professor und Rabbiner melden wollte. Wir wurden außerordentlich liebenswürdig aufgenommen. Der Rabbiner Prof. Armando Sorani*) sprach Italienisch und nur etwas Französisch, so daß meine Frau zumeist die Unterhaltung führte. Er zeigte uns selbst die Synagogen in diesem Hause — die italienische von wunderbarer Pracht — die Wände und Decken mit reichen Holzvertäfelungen, anscheinend 15. Jahrhundert. Ein herrlicher Aufbau des Aron Hakodesch mit eingelegten Hölzern, alte Lichtkronen, Ampeln und die ewige Lampe vergoldet und von schwerem Silber, an der gegenüberliegenden Wand der Almemor, die holzgeschnitzten Säulen, noch reicher die gestickten Decken über dem Vorbetertisch und die, die von den Brüstungen herabhängen, kostbar in Gold und Farben gestickt. Die spanische Synagoge im selberf Hause ist noch prächtiger ausgestattet und wohl noch älter. Die Wände und das Allerheiligste von wunderbarem schwarzen und weißen Marmor, die Tür massiv Silber vergoldet mit erhabenen Blattornamenten, die Thorarollen in kostbaren gestickten Gewändern, eine schwere Kassettendecke, der Almenor aus gleichem Marmor mit Silber- und Metallgerät angefüllt und an den Wänden die Leuchterreihen zum Andenken für die Verstorbenen. In seinem Arbeitszimmer, an den Wänden alte Judenbilder und Chanukka-Lampen, zeigte uns dann noch der Rabbiner aus eigenem Besitz die prachtvollsten Thoravorhänge (sie stammen aus der Familie seiner Frau), Stickereien, wie sie nur noch in gleich seltenen Stücken in Museen woh* existieren und einen solchen aus altem, blauen venizianischen Samt, kostbar verziert. In der Unterhaltung wies ich auf die Auskunft des Hoteliers hin, betreffs der Juden in Ferrara. — Ferrara hat 76 000 Einwohner, etwa 1400 Juden, der Bürgermeister ist Jude, der Prokurator der Universität Jude, die einflußreichen Aemter sind mit Juden besetzt, nur weiß die Bevölkerung nichts davon, zwischen Christen und Juden herrscht das beste Einvernehmen, da von irgendeiner Betonung des Jüdischen nichts zu merken ist. *) Der leider, nachdem dieser Artikel geschrieben wurde, seiner Gemeinde und der jüdischen Wissenschaft durch den Tod entrissen wurde.

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