Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 7 (1929)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1929)
- Article
- Eine italienische Reise
- Date
- 1929-02-01
- Page
- Seite 80 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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80 MENORAH Dabei ist hier unter dem Einfluß dieses Rabbiners noch jüdisches Leben, es gibt noch ein Bes-din (ein jüdisches Gericht), wir durften dieses wie einen rechten Gerichtsraum ausgestattete Gemach sehen, zum erstenmal, da meines Wissens in Deutschland ein solches nicht mehr existiert. Ein Archiv ist vorhanden — der Professor ist stolz darauf — ob es schon bearbeitet ist? Der Rabbiner war so liebenswürdig, uns auch noch die levantische Synagoge (die einige Straßen davon ist) zu zeigen. — Aehnlich wie die espagnolische, nur kleiner, sicher auch aus dem 15. Jahrhundert. Mit innigem Dank schieden wir von unserem vornehmen Führer. - Auf der Fahrt nach Bologna beschäftigt mich unablässig die Frage der Nationalität der Juden in diesem Lande. Seit Hunderten, nein, seit Tausenden von Jahren leben Juden in Italien, die eine gemeinsame Religion, ein gemeinsamer Glaube eng, ganz eng verbindet; sie haben die gleichen Bedrückungen, die gleichen Verfolgungen erduldet, sie haben gemeinsam all das Leid, all das Elend getragen um des gleichen Glaubens willen — und heute noch wie seit der ersten Niederlassung in Rom, in Italien, scheiden sie sich nach ihrer Herkunft. Die palästinensischen, die aus Byzanz, Alexandrien, aus de1 Türkei gekommen waren, kurz die levantinischen Juden, die aus Spanien, Portugal, Marokko, also die spanischen Juden — die aus Deutschland, Polen, Rußland, Galizien stammten, die askenasischen Juden — und dann noch die, die aus Italien, aus der Römerzeit und aus den ersten Jahrhunderten unserer Zeit stammten, die italienischen Juden. Sie sind, wie gesagt, alle einer Religion, sind Juden und doch verschiedener Nationalität, sie haben einen Glauben, sind aber unterschiedlicher Kulturgemeinschaften — jede hat ihre eigene Synagoge, ihre eigenen Kultus- und Wohlfahrtseinrichtungen, es geht sogar soweit, daß sie nicht einmal untereinander heiraten. Bologna ist eine große, eine schöne Stadt, hat 185000Einwohne*-, etwa 1500 Juden; von diesen bekennen sich knapp 500 offiziell zum Judentum und an den hohen Festen sollen kaum 200 sich noch am Gottesdienst beteiligen. 1537 wurde hier ein hebräisches Religionsphilosophisches Werk verfaßt und gedruckt — Im 15. Jahrhundert war hier eine blühende Gemeinde, etwa 1450 traten hier zum ersten Mal die jüdischen Gemeinden Italiens zu einer gemeinschaftlichen