Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 7 (1929)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1929)
- Article
- Das Ratsel des Goldlandes Ophir
- Date
- 1929-02-01
- Page
- Seite 74 (sequence 4)
- Language
- German
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74 MENORAH Ophir) die These zu verfechten, daß die Juden die großen Geldmengen in Südostafrika im Bergbau gewonnen haben. Wir wissen jedoch, daß die Juden darin vollständig ungeschult waren und es ist nicht anzunehmen, da sie in der kurzen Zeit (die Expedition dauerte dem Bibelbericht zufolge drei Jahre) selbst eine so reiche Ausbeute erzielt haben. Außerdem liegen die Goldfundstätten nicht etwa an der Küste, sondern im heutigen Maschona-Land, etwa 1000 km von der Küste entfernt. Die Annahme also, die Israeliten hätten sich eine so weite Strecke in ein unbekanntes Land hineingewagt, dort erfolgreich Bergbau getrieben, zudem 450 Zentner Gold an die Küste transportiert — nicht gerade einleuchtend. Auch ihre phönizischen Führer haben sich nie selbständig im Bergbau betätigt und hätten dabei kaum die Reise in ein unwegsames und unbekanntes Land gewagt, um es dort zu graben. Ist damit die Hypothese von der Hand zu weisen, das Goldland Ophir wäre in Südostafrika zu suchen? Nein! Dafür spricht eine Reihe anderer, sehr neuartiger Erwägungen. Die vorgeschlagene geistreiche Lösung der Ophirfrage stammt von Professor C. Hennig1). Hennig glaubt, daß die Schwierigkeiten der bisherigen Deutungen des biblischen Berichts am einfachsten überwunden werden, wenn man die berühmte Ophir-Fahrt nicht etwa als Handelsexpedition, sondern als Kriegs- und Piratenzug auffaßt. Diese Annahme erklärt so manches Rätselhafte des Berichtes in zwangloser Weise. Es ist sehr auffällig, daß nur die erste Expedition einen so reichen Ertrag brachte, während die wenigen nachfolgenden anscheinend sehr viel unergiebiger waren. Nimmt man an, die erste Expedition sei ein Kriegszug gewesen, so nimmt es nicht weiter wunder, wenn die nachfolgenden Züge in bereits ausgeplünderte Gebiete nicht denselben Ertrag brachten. Auch die Bewohner des Goldlandes mögen vorsichtiger geworden sein und Sicherungsmaßnahmen gegen fremde Eindringlinge getroffen haben. Ueber die Art, wie die salomonischen Schätze erworben wurden, spricht sich ja die Bibel nicht aus. Die zweite höchst merkwürdige Tatsache ist, daß die Phönizier, ihrem gewöhnlichen Brauch entgegen, die neue Goldfundstätte nicht verheimlicht, sondern die Israeliten freiwillig mitgenommen haben. Ein noch so enges politisches Bündnis, wie es da- *) C. Hennig. Von rätselhaften Ländern, München 1925.