Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 7 (1929)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1929)
- Article
- Eine italienische Reise
- Date
- 1929-01-01
- Page
- Seite 55 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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KI NT, ITALIENISCHE REISE Unser Zug rollte ununterbrochen in den südliehen Frühling hinein, die schneebedeckten Riesen der Schweizer Berge, die im ersten Grün prangenden Täler mit ihren Flüssen und Bächen zogen in ewiger Schönheit an uns vorüber; des Gotthardts stolz ragende Macht war von Menschenhand bewältigt, und die oberitalienische Alpenwelt tat sich vor unseren Augen auf. Wie oft waren in den zwei Jahrtausenden unsere Glaubensbrüder diese Straße gezogen in tiefster Not, vertrieben von den Wohnstätten ihrer Väter, verjagt aus Glaubenshaß und Eigensucht. Wie oft waren sie von Süd nach Nord von Nord nach Süd diese Straße gezogen als Pioniere der Wirtschaft, als Träger des Geistigen, als Lehrer der Völker von der Erhabenheit Gottes, j\j ailand. Der Traum einer Jugend erfüllt. Der Dom, der leuchtende, lichtspendende, weißmarmorne, strahlende, mit seinen Türmen und Türm eben, vor Hunderte]! von Jahren erbaut. Tausende von Menschen haben diesem gottgeweihten Kunstwerk ihre Lebensarbeit gegeben, der Jahrtausende w irkenden religiösen Idee der Menscher, zu dienen. Wie anders sehe ich ihn heute an wie damals in meinen Träumen, als ich zu denken angefangen; Mose und Aron grüßen mich, alechem seholaum, all den Propheten, die Israel geführt und geleitet auf dem Wege durch die Wüste seines Daseins, wurde hier ein Denkmal gesetzt, ein Denkmal, das die Juden nur in ihrem Herzen getragen. Wir traten durch das lichtüberllutete Portal in das Halbdunkel des Gotteshauses und aus der 'Piefe des ragenden Gewölbes baute sich die raunende Mystik jener Zeit auf, in der es entstanden war. Und über uns spielte durch die Geschichte erzählenden Scheiben, blinkendes, strahlendes Himmelslicht, sog sich an dem magischen Gold fest, das das ragende Kreuz in das Dunkel baute. Und in seinen ausgebreiteten Armen hing der Jude aus Nazareth, den die Römer kreuzigten wegen seines Glaubens und den sie dann zu ihren Gott machten. O, es war nicht der letzte den Rom und die Kinder und Unkel dieses Landes um Gottes willen vorzeitig in des Himmels Ewigkeit eingehen ließen. Ungezählte Scharen von Glaubens- und Stammesbrüder jenes Gekreuzigten sind gleich ihm für die Erhabenheit der gleichen Lehre auf dem Scheiterhaufen verbrannt, an den Martern verblutet, -— sein Opfer hat die Glaubensstarken nicht retten können, sein Tod die reine Liebe der Menschheit nicht gebracht und doch ist er nicht umsonst gestorben, hat nicht umsonst gelebt Dort in der Kapelle liegt sein