Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 7 (1929)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1929)
- Article
- Eine italienische Reise
- Date
- 1929-01-01
- Page
- Seite 54 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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54 MENÜ R A II hei diesen die Giftmischerei nicht Fürchteten, die sonst zu dieser Zeit ein heliehtes Kampfmittel politischer Parteien ist.'1 Da die Juden, die aus Spanien und Portugal vertriehen wurden, nicht nur nach Oheritalien und nach den Küstenstädten gei l lichtet waren, sondern auch nach der Türkei, die damals zu den mächtigsten Reichen gehörte, so daß in Saloniki eine der reichsten und einflußreichsten jüdischen Gemeinden entstand, ging beinahe der ganze levantinische Handel in die Hände der Juden über und so konnten in \ eneclig, Bologna, Senegalia, in Ravenna, Aneona, Rimini starke Judengemeinden entstehen, die neben der Ansammlung großer Reichtümer auch politische Macht erlangten. Wenn auch neben dieser Machtl'ülJe, neben der Blüte der \\ issenschaft und der Gelehrtenschulen die Scheiterhaufen loderten, die Gefängnisse voll waren von den wegen ihres Glaubens verfolgten Marannen und Tausende als Märtyrer in den Tod geschickt wurden, das Furchtbare Mittelalter war überw unden, eine neue Zeit brach an und an ihren Toren linden wir wieder, wie bei Beginn der heutigen Zeitrechnung die Geistigkeit der J u den schal't dieses Landes. Thora und Talmud hatten auch unter der furchtbarsten Bedrückung die Liebe, Arbeit und Deutung der Besten unseres Stammes gefunden. Und als die Realität des Daseins all ihre Schrecken gleich der Hölle Dantes über das auserwählte Volk ausgoß, flüchteten sie sich in die Mystik, Soha.r und Kabbala, die über den Jammer des Diesseits die Göttlichkeit einer neuen, ihnen ganz eigengehörigen L cbcrwclt- Üchkeit schul'. Ijjine neue Zeit war angebrochen. Die Buchdruckerkunst war erfunden, und ich war ausgerüstet mit einem Verzeichnis all der Stätten, in denen Juden die neue Kunst, die ,,göttliche Kunst" übten, um die Thora mit der alten Glut, mit der ungebrochenen Inbrunst von neuem in die Welt zu tragen. In Alantua, Sonzino, Brescia, in l'ano, Pesaro, in Genua, Venedig, Rimini, Bologna, f'errara, Sabionetta, Crcmona, Padua, Verona, Livorno, Florenz wurden hebräische Bücher gedruckt, von 1468-- 1550, und schon im ersten Dezennium des 16. Jahrhunderts wurde mit dem Druck der ersten vollständigen Talmud-Ausgabe in Venedig begonnen. An diesen Stätten mußte ich sicher noch das alte Judentum linden. Wie stark w aren noch die 40 000 Juden, die heute in Italien leben, als treue Söhne und Enkel einer großen Vergangenheit?!