Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 7 (1929)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1929)
- Article
- Eine italienische Reise
- Date
- 1929-01-01
- Page
- Seite 52 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2912821-2912891-2912893-2923108--07462-2923206- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
\i i; N O R A Ii Verfolgung, die ihnen zuteil wurde, auf die Scheidung zwischen Juden und Christen im römischen Reich, wie sie sich allmählich vollzagen hat. Der Kampi der Römer gegen die C h risten war schärfer, weil er ein Religionskampf war; die Juden wurden wie Tacitus berichtet, als jüdische Nation angesehen, und ihre Unterwerfung als solche milderte den Kampf gegen sie. Aber weder über das innere Leben der Juden in dieser Zeit, noch über die Gemeinden ist im jüdischen Schriftum auch nicht im römischen viel zu finden, was uns Aufklärung und historische Kenntnisse vermitteln könnte. Nur die Inschriften der jüdischen Grabstätten Roms geben nicht unwesentliche Beiträge zur damaligen Geschichte; von etwa lf)0 Grabsteinen hat man die Inschriften entziffert, Namen und Alter der Verstorbenen und auch zum Teil ihren Beruf feststellen können. Neben einem besonderen Nachruf, der die guten Eigenschaften der Verstorbenen hervorhebt, finden sich auf den Grabsteinen Abbildungen des Scholar, des Lulaw, des Esrog, Oelgefäße, ganz besonders oft Eeuchter und Palmblättcr, Vogel und Bienenstock; die Inschriften sind vereinzelt griechisch, vielfach lateinisch mit griechischer Schrift, zumeist mit lateinischer Schrift. Nicht eine einzige Inschrift ist uns hebräisch überliefert, ein Faktum, daß für die Einstellung der damaligen Juden in die römische Kultur außerordentlich bezeichnend erscheint. £\uf der Reise nach Mailand konnte ich die nächsten 1000 Jahre an meinem Geiste vorüberziehen lassen, spärlich sind die Berichte aus jener Zeit. Goten und Yandalen hausten im 4. und 5. Jahrhundert, und nicht einmal die Klage eines Römers ist uns überliefert, so furchtbar waren die Zerstörungen in dieser furchtbaren Zeit. Unter den Ostgoten und Eongobarden scheint es den Juden leidlich besser ergangen zu sein, denn während Güdcmann berichtet, daß im 5. und h\ Jahrhundert die Provinzen Italiens zerstört seien, und man nicht einmal in dieser Zeit eine vollkommene Kenntnis der heiligen Schrift fände, sind die Nachrichten, die aus dem 9., 10. und IE Jahrhundert uns überliefert sind, reichlicher. Das Verhältnis zwischen Juden und Christen scheint nicht ungünstig gewesen zu sein und in Eucca, in Mailand, in Pavia und Pisa mögen sich Centren jüdischer Wissenschaft gebildet haben, die auch ihre Einflüsse auf die französischen und deutschen Juden auszuüben Gelegenheit hatten. Durften doch in dieser Zeit die Juden in Rom bei der Krönung der Päpste neben den anderen Religionsgemeinschaften und Sekten unter Vorantra-