Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 7 (1929)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1929)
- Article
- Zwei Maler
- Date
- 1929-01-01
- Page
- Seite 44 (sequence 2)
- Language
- German
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44 VF KNO R A I I Leberai], wohin er-kommt, bringt dieser Künstler das Auge vseiner Heimat mit, auch die holländische Küste sieht er an A\ie die Gegend, aus der er stammt, die seinen landliebenden Knabensinn zum erstenmal tiefer berührt hat. Ueberall bereiterer sich einen nah umgrenzten Horizont, den er sorgfältig absucht und so lange malt, bis er ihn völlig besitzt. Er ist in seiner Art ein „Landnehmer", der malende Kolonist. Und das an ihm scheint mir jüdisch oder wünschenswert, daß es jüdisch sei. Denn man muß nur daran denken, daß Menschen seines Schlages, die infolge ihrer einfachen — bei uns so seltenen, für uns so kostbaren — ländlichen Veranlagung überall eine Heimat aufrichten, einmal in die Lage kämen, statt der vielen Stationen auf ihren Wanderungen festen Boden zu finden, Muttererde, u n scic Heimat, wie gut wäre das für ihre Kunst, die dann mit veredeltem Gefühl zur Reife käme, wie gut für unsere Gemeinschaft, der sie durch ihre schlichten Gaben helfen könnten, innezuwerden der eigenen Heimat. Den andern Typ vertritt Fred Laubes. Er ist in allem Glasners äußerster Widerpart. Wie dieser einfach, ländlich und so seßhaft, daß er überall eine, seine Heimat findet, ist jener problematisch, städtisch, hastig und im Grunde ohne Heimat. Denn in Polen geboren, in München geschult, in Paris frei geworden und in Wien wohnhaft, wechselt er ohne L'nterlaß seinen Aufenthalt, ist immer auf der Jagd und nirgend zu Hause. Diese befremdliche Unruhe ergreift alles: sie enthält das Schicksal des Künstlers und das Wesen seiner Kunst. Man wird sich zunächst vergegenwärtigen müssen, was es für jedermann, auch für den Nichtkünstler bedeutet, in so jungen Jahren den Weg der Kulturen von Ost nach West wie im Laufschritt durchzumachen Ungezählte Beispiele, die der Tag uns zuträgt, zeigen die Gefahr dieses Weges, die Opfer, die er fordert. Von Notwendigkeiten der verschiedensten Art fortgetrieben, aber auch von Irrtümern und der unseligen Geringschätzung ihres ursprünglichen Milieus zum Wandern veranlaßt, fassen sie auf dem ersten Posten westlicher Gesittung nur zögernd Fuß, versuchen sich zunächst vorsichtig nach vielen Seiten, um dann mit plötzlichem Entschluß alles Angestammte abzuwerten und jeder Hemmung ledig, die Eigenheiten der neuen Umgebung restlos anzunehmen. Aber sie verwechseln dabei den Kern mit der Schale, die Kultur, die wurzelstark nur in langen Zeiträumen aufwächst, mit der Zivilisation, die sich ihrer frühreifen Fähigkeit der Anpassung leicht erschließt. Die meisten gehen