Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 7 (1929)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1929)
- Article
- Zwei Maler
- Date
- 1929-01-01
- Page
- 43 (sequence 1)
- Language
- German
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ZW Kl VI A LK\\ Zwei Maler, zwei Juden, zwei j)(>lar verschiedene Typen. 'Der eine sehlicht und ländlich Jakob Glasner. Kr malt die Bcskiden, wo er zu Hause ist, die nahe Tatra, die steirischen Alpen, die er von seinem häufigen Au ['enthalt in Wien leicht erreichen kann, und bei Gelegenheit auch Holland. Aber das ist, wie gesagt, nur ein ■ Ausnahme. Für gewöhnlich malt er den Hochwald, seinen sparrigen, sturmgeprüften Baumstand, die irische Sonne und die brauner Dämmerungen im Unterholz, dann draußen die breit wuchtenden Bergrücken mit dem kargen Graswuchs und den weit langenden, abschüssigeii Wegen, auch das zu jeder Jahreszeit, bei trüber Kult, am liebsten im sehneereichen, tauigen Frühling. Kr malt das sehr aufmerksam und bescheiden. .Man wird bemerken können, daß er vor Jahren einmal heftiger auf die rüde Form und die schwärzlich düstere Färbung in jenen Gegenden der Karpathen aus gewesen, ist und daß er später gelegentlich das Dickicht auf eine breit umschreibende, l'ast pathetische Weise dargestellt hat. Aber im Grunde ist er, von den Strömungen der Zeit kaum berührt, immer natürlich geblieben, aufmerksam für das, was zu sehen ist und bescheiden in seiner Wiedergabe. Ein treuer, still und scheu bewegter Diener der Natur. Er dient ihr wie ein Knabe. Ich liebe dieses knabenhafte Wesen, das so selten geworden ist, überall, auch in der Kunst. Gewiß, es stellt keine Rätsel auf und es erschüttert nicht. Aber es erfrischt, wirkt rein wie ein früher Tag und beglückt mit Gedanken an die eigene wunschlose Jugend. Das bewirken mehr noch als Glasners Gemälde und die sehr angenehmen Kinoleumschnitte die Aquarelle, namentlich die letzten, die leicht, luftig und blank geworden sind. Unter diesen Aquarellen stellen einige den Grimm mg, einen Berg in den \ oralpen, dar. Sie verfolgen ihn, wie er als eine einsame KupjKau> dem weiten Talgrund aufragt, wie ihn Wolkenfetzen umschleiern, wie in der kühlen Kult die Farben einer Hütte, des blauen Abhangs und der hellen Ferne tonig gleiten. Sie kommen von ihm und den Spielen in seinem Raum so leicht nicht los. Und fast ebenso ist es mit den Bildern aus Holland. Auch hier sieht der Maler eine hellere Welt. Auch hier bleibt er haften und umkreist den Ort seiner Niederlassung den Kanal mit den ruhenden Booten, den falben Grasstand und den Hügel der Düne mit treuer, aufrichtiger Hingabc wie eine Insel, wie eine neue Heimat.