Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 7 (1929)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1929)
- Article
- Vom Nil zum Jordan
- Date
- 1929-01-01
- Page
- Seite 37 (sequence 7)
- Language
- German
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VOM NIL ZUM JORDAN 37 Schlüsse in den Glauben, daß Aufbauarbeit ohne Schutz nicht weit gedeihen könne, daß ein Jischuw ohne Legion dasselbe sei, wie ein Städtchen aus Holzhäusern ohne Feuerwehr. Daher wehrten sie sich gegen die Demobilisierung. Sie erwirkten, daß man ihnen erlaubte, ihr „Engagement" erst für drei Monate (für länger weigerte sich das Hauptquartier), dann für weitere drei zu verlängern. Dann meldeten sie sich zum jüdischen Teil von Samuels „gemischter Miliz", obwohl sie selbst, wie auch der ganze Jischuw, gegen das Projekt Samuels waren — bis der Pogrom in Jaffa der Miliz und ihrem Militärdienst ein Ende bereitete. fjj in komplizierte« Problem waren bei uns die Amerikaner. Der Zahl nach bildeten sie die bedeutsamste aller unserer Gruppen — fast zwei Fünftel der ganzen Legion. Auch Bildung, Intelligenz und persönliche Tapferkeit, die sie in der Jordanebene bewiesen haben, standen auf einer sehr hohen Stufe. An physischer Befähigung waren sie allen anderen weit überlegen. Aber psychologisch konnten sie sich nicht an die palästinensischen Umstände gewöhnen. Nicht so sehr ihrer jüdischen, sondern ihrer „amerikanischen" Eigenschaften wegen. Die beiden Gedankenweiten — die englische und die jüdische gehen weit auseinander, aber diese Verschiedenheit ist bloß von geringer Bedeutung im Vergleich mit dem Abgrund, der die seelische Struktur des Engländers von der amerikanischen trennt. Ich habe unter Russen, Italienern, Deutschen, Franzosen und Türken gelebt; nie in meinem Leben habe ich zwei Völker gesehen, die einander so diametral unähnlich sind, wie die Engländer und Amerikaner. In beiden Ländern ist man sich dessen ganz genau bewußt. Mir will ein Wort nicht aus dem Sinn, das mir ein kluger englischer Redakteur gesagt hat, einer von jenen gerade, die besonders viel zugunsten der angloamerikanischen Freundschaft geschrieben haben: ,,Es ist ein Glück, daß wir weit voneinander leben, wären wir Nachbarn, so würde die Welt zum ersten Male erfahren haben, was wahrer nationaler Haß bedeutet". Aber die Ausländer verstehen das nicht; man hört dieselbe Sprache, denselben Klang der meisten Familiennamen, und glaubt, beide Völker wären geistesverwandt. Geistesverwandt?! In unserem eigenen Miniaturtheater, in unserer Legion, sah ich den „Beweis". Unsere Soldaten waren natürlich nur Halbamerikaner, aber selbst dieser Deut von amerikanischem Charakter genügte, um ihnen die englische Atmosphäre unerträglich zu machen. Den Russen,