Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 7 (1929)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1929)
- Article
- Vom Nil zum Jordan
- Date
- 1929-01-01
- Page
- Seite 36 (sequence 6)
- Language
- German
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36 M E N O R A H Es würde sich verlohnen, über all diese Gruppierungen in der palästinensischen Legion ein Buch zu schreiben. Die Sepliardim verdienen ein eigenes Buch: junge Leute an der Grenze zwischen Ost und West, frisch und unmittelbar in allen ihren Empfindungen; Menschen, deren Beziehung zu Palästina und zum Zionismus und deren Verhältnis zu den arabischen Nachbarn (ein, gelinde gesagt, wenig enthusiastisches Verhältnis) nicht bloß eine Meinungssache ist, sondern ein natürlicher Instinkt, Und sie sind dabei das einzige jüdische Element, das nicht an Spitzfindigkeit und zerrütteten Nerven krankt, das mit den Augen und nicht durch gefärbte Brillen sieht, und den geraden normalen Verstand besitzt, den „borse-sense^ aller gesunden Völker. Dann waren bei uns Jemeniten, wahrscheinlich der begabteste jüdische Volksstamm in der Diaspora, der bedeutende Talente in musikalischer, geschäftlicher und intellektueller Beziehung aufweist. Sie bilden eine,,Nation"für sich, mit einem besonderen physischen Typus; ihr Ursprung ist ein Geheimnis des tiefsten Altertums; nur eine endlose Generationen währende Sklaverei schlimmster Art hat sie daran gehindert, ein hohes geistiges Niveau zu erreichen. Es waren junge Leute, deren Väter halb verhungert und barfuß nach Palästina kamen, wobei ihr ganzes Hab und Gut bloß aus zwei Kasten bestand— einer enthielt das Bettzeug, der andere heilige Schriften. Junge Leute, von denen die meisten während des ganzen Dienstes kein Fleisch essen wollten, weil dessen rituelle Behandlung, von Patterson in Portsmouth noch streng beobachtet, unter den Frontbedingungen aber schon längst zu einem toten Buchstaben herabgesunken war. . . Die palästinensischen Freiwilligen blieben die letzten Träger des Legionsgedankens. Sie wehrten sich gegen die Demobilisierung mit Haut und Haar, trugen das Gewehr, bis man es buchstäblich ihren Händen entrissen hatte. Leicht fiel es ihnen gerade nicht. Ihr Dienst begann mit einer tiefen Enttäuschung; die Offensive und der Sieg kamen im September 1918, zu einer Zeit, als sie noch im Ausbildungslager waren. Dann nahte die Zeit des Friedens heran, von allen Seiten hörten sie von neuen Projekten betreffs der Aufbauarbeit, das Wort „Kwuzah" wurde zu einem heiligen Worte auf den Lippen eines jeden jungen Menschen —- und sie selbst, gewesene Arbeiter oder solche, die sieh für das Arbeiterideal begeisterten, mußten die Eisenbahn von Haifa oder die Wasserleitung bei Rafa an der Grenze der Sinai-Wüste bewachen. Das war schwer zu ertragen. Viele hielten es auch nicht aus. Aber einige Hundert verbissen sich bis zum