Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 7 (1929)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1929)
- Article
- Vom Nil zum Jordan
- Date
- 1929-01-01
- Page
- Seite 35 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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VOM NIL ZUM JORDAN pressionist war, an den man bloß schwer herankommen konnte; gelang es aber einmal, so konnte man ihn beeinflussen so viel man wollte. Manchmal kann auch dies einigen Nutzen bringen. Einige Wochen darauf wurde das palästinensische Bataillon nach Surafend gebracht, unweit von Ludd und Jaffa, und es wurde später auf der Eisenbahnlinie Haifa-Semach (Tiberias) aufgeteilt. Ihr inneres Leben war reich und erhaben. Es genügte ein Blick auf ihre improvisierte Camp-Bibliothek, die mehr als fünftausend Bände in verschiedenen Sprachen umfaßte. Bei ihren Versammlungen im Camp führten sie die gesamte Arbeiterbewegung im Lande, kontrollierten die Stimmungen der Jugend und Intelligenz, sandten Delegierte zum Waad-Hasemanni (heute nennt er sich Waad-Haleumi). Ein Sergeant aus dem Army Post Office sagte mir einmal: „Es gibt Tage, an denen einige Gemeine des 40. Bataillons der Royal Füsiliers mehr Briefe erhalten als das gesamte Hauptquartier". Als der Waad Hazirim irgend ein wichtiges Projekt in Aussicht nahm, — es handelte sich um einen großen Ansiedlungsplan im Negew (Süden), den man damals eine Zeitlang erwogen hatte, oder um den Entwurf einer Verfassung für Palästina — wurde auch die palästinensische Legion um ihre Meinung befragt. Und sie blieben dabei gute „im Dienst pünktliche" Soldaten, sogar, wie ich bereits erzählte, unter solchen Umständen, die im Militärgesetzbuch als „Meuterei" bezeichnet werden. Diü feinste Gruppe bildeten, meiner Meinung nach, die gewesenen Schüler des Tel-Aviver Gymnasiums. Die „Herzlia" wird bei uns stark kritisiert, sowohl vom Standpunkte der religiösen Ueberlieferung als in pädagogischer Hinsicht. All das gehört nicht zu meinem Thema, aber eine Sache muß ich bestätigen: Das Gymnasium in Tel-Aviv brachte „Charakter" hervor — zumindest bei seinen ersten Abiturienten. Bei ihnen fand ich noch in einem größeren Maße, als bei den anderen, jene Eigenschaft ausgebildet, deren Träger man im alten Athen mit dem Epitheton „Kalos K'agathos („schön und gut"), in Spanien „Hidalgo", in England und Amerika „Gentleman" schmückte: Intelligenz, Bescheidenheit, Respekt vor jedem, der etwas geleistet hat, ritterliche Höflichkeit, kameradschaftliche Hilfe, ruhige Opferbereitschaft. Es gab unter ihnen auch Ausnahmen, aber ich spreche von der Allgemeinheit. Ich kann der Mutter der hebräischen Mittelschulen nur wünschen, daß ihre zukünftigen Abiturienten, und auch die aller ihrer anderen „Töchter" in Palästina, Litauen und Polen, auf demselben moralischen Niveau stehen mögen.