Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 7 (1929)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1929)
- Article
- Vom Nil zum Jordan
- Date
- 1929-01-01
- Page
- Seite 34 (sequence 4)
- Language
- German
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34 M E N O R A H den unzähligen Absurditäten, die Allenbys Politik sich leistete, zähle ich diese nicht gerade zu den kleinsten: er wollte oder verstand nicht, das erstklassige militärische Material, das zumindest drei Viertel von ihnen geboten haben, auszunützen. Ihre Tapferkeit war von demselben Range, wie jene, die die jüdische Welt bei den Verteidigern von Tel-Chaj bewundert: Menschen, die standhalten, fünfzig gegen fünftausend; Menschen, die nicht nur keine Angst haben, sondern sich direkt nach Selbstaufopferung sehnen, von einem Tode für ein heiliges Ziel träumen. Ueberdies Menschen —- zum großen Teil — von hoher Intelligenz und Bildung, höflich, ritterlich in ihren Ehrbegriffen, ihrer Kameradschaftlichkeit und ihrem Pflichtgefühl; Menschen, die dabei Palästina wie ihre eigene Hand kannten. Fast alle sprachen arabisch, viele wie geborene Araber; einige hatten in der türkischen Armee gedient, viele konnten noch vor dem Kriege vorzüglich schießen und reiten. Man muß mit Blindheit geschlagen, oder von blinden Ratgebern umgeben sein, um, wie Allenby es zu drei Viertel mit Erfolg versucht hat, die Aufnahme und die Ausnützung solcher Rekruten zu verhindern. Sogar ihre Transferierung von Tel-el-Kebir — ihrem Ausbildungslager in Aegypten — nach Palästina war keine leichte Angelegenheit. Der Waad-Hazirim fürchtete, in eine solche rein militärische Angelegenheit einzugreifen. Der Jischuw selbst mußte die Initiative ergreifen. Frau Grasowski aus Tel-Aviv tat es. Sie ist die Frau jenes Grasowski, der einst, arm und hungrig, mit dem jungen Elieser Ben-Jehuda in einem kalten Mansardenzimmer in Paris beschlossen hatte, das Hebräische als lebendige Volkssprache aufleben zu lassen, und just mit der sephardischen Aussprache: diese Narren! Grasowski hatte aber noch andere sonderbareSchrullen: man erzählt, daß er zur Zeit, als er sich ein Haus gebaut hat, in seinem Garten einige Flaschen Wein vergraben ließ und geschworen habe, von diesem Wein dürfe nur anläßlich zweier Gelegenheiten getrunken werden: wenn eines seiner Kinder in eine hebräische Universität oder in eine jüdische Armee aufgenommen werden würde... . Zwei Söhne der Frau Grasowski dienten in der Legion. Sie organisierte eine Frauendeputation — Mütter der Freiwilligen — und fuhr mit ihr ins Hauptquartier, um mit General Allenby selbst zu sprechen. „Man hört alle möglichen beunruhigenden Gerüchte im Lande" — sagte sie ihm — „und unsere Kinder sind weit von uns. Wir fühlen ud^> unsicher". Ich erwähnte bereits, daß dieser Mann mit seiner „Ochse von Baschan" Reputation, im Grunde genommen ein sehr zarter Im-