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Menorah · 1929-01-01 · Heft 1 (Januar 1929) · p. Seite 29

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
7 (1929)
Issue
Heft 1 (Januar 1929)
Article
Chassidische Legende
Date
1929-01-01
Page
Seite 29 (sequence 2)
Language
German
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CHASS1D ISCHE LEGENDI* 29 voll Masse, gewaltig wie ein Mammut, wie ein Mammut, ein Tier der Vorzeit, wild und gewaltig. Kaum erblickte der Stier den Menschen, und kaum erblickte der Mensch den Stier, als beide mit dem Schlag stehen blieben. Mit dem Schlag des Herzens blieben sie stehen, und der Rabbi verfärbte sich und sah dem Stier, ohne sich zu rühren, in die funkelnden, drohenden Augen, und der Stier senkte die Hörner, schnaubte aus den Nüstern und blickte auf den Menschen, und so standen sie drei Schritte voneinander entfernt, und keiner rührte sich von beiden, aber der Stier wühlte mit den Hufen den Boden. Da begann der Rabbi Gott anzurufen, Gott rief er an in seinem Herzen, und er betete und sprach im Gebet die Worte: ,,Gott, mein Gott, wenn du mir diesen Stier geschickt hast, daß ich durch dein Geschöpf sterbe, so vollziehe sich dein Wille, und ich sterbe mit deinem Namen. Wenn es aber dein Wille ist, daß ich mich dieses Geschöpfes erwehre, so laß deine Kraft in mich einströmen, einströmen, o Herr, laß in meine schwachen Arme deine Kraft, und ich werde in deinem Namen den Kampf aufnehmen!" So sprach der Rabbi in seinem Innern, und plötzlich war er in der Kraft Gottes, die Kraft Gottes fühlte er in sich wie ein Meer, ein brausendes, und er streckte den Arm aus und brach von dem Buchenbaum ihm zur Seite einen Ast, einen Knüppel so dick wie eines Mannes Schenkel, und er brach ihn mit zwei Fingern und hob ihn auf vor dem Stier, der einen Schritt zurückwich, die Hörner zur Abwehr gesenkt. Da trat der Rabbi diesen Schritt vor und schüttelte den Knüppel in seiner Rechten, mit seinen Zweigen und Blättern schüttelte er ihn, daß ein Brausen entstand wie das Brausen des Sturmwindes, und der Stier entwich wiederum nach rückwärts, Auge in Auge. So geschah es noch mehrmals, und immer rascher aufeinander geschah es, daß der Rabbi voranschritt, und daß der Stier zurückwich, und der Rabbi verfolgte den Stier, ohne mit den erhobenen Armen oder in den Beinen zu erlahmen, nimmer ermattend verfolgte er ihn durch den tiefen Wald, durch dick und dünn, und er erlaubte dem Tier nicht, weder sich umzukehren, noch die Augen von ihm abzuwenden, noch zu seiner Nahrung zu gelangen bis zum Mittag und bis zum Abend. Da fielen die Kräfte ab von dem Stier, von dem gewaltigen Jungstier, immer mehr und mehr, und er fing an zu keuchen, in den Knien zu wanken und am ganzen Leibe zu zittern, immer schwächer wurde er in den Schritten, aus seinem Maule floß ihm der Schleim, und das Blut brach aus seinen Augen und Ohren, bis gegen Sonnenuntergang. Da aber konnte er sich nicht mehr weiter zu-

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