Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 7 (1929)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1929)
- Article
- Mexiko - auch ein gelobtes Land
- Date
- 1929-01-01
- Page
- Seite 26 (sequence 12)
- Language
- German
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26 MENORAH Aber es ist bezeichnend, daß gerade zu der Zeit, als am meisten über schlechte Geschäfte geklagt wurde, die jüdischen Pioniere die Klageweiber Lügen straften. Das Wunder vollbringen sie mit Hilfe dreier Eigenschaften, die jeder Geschäftsmann haben müßte: Mut, Intelligenz und Unternehmungslust. Auch arbeiten sie ganz wie Leute, die zu bleiben gedenken, und in dieser Hinsicht sind sie die besten Kolonisten Mexikos. Selbst diejenigen, die einen z\bstecher in die Vereinigten Staaten gemacht haben, kehren schließlich zurück. „Hier macht man a Leben", sagen sie. „Man lebt." J^jeute hört man übrigens nicht mehr viel Jüdisch auf den Straßen Mexikos. Auch die Gruppen von Hausierern, die auf den Parkbänken zu sitzen pflegten, sind verschwunden. Statt dieser sieht man nur wohlgenährte und gutgekleidete „Israelitas", die ihre Stammeszugehörigkeit weder aufdringlich zur Schau tragen, noch verleugnen. An den Abenden, wo die Y.M.H.A. (Young Men's Hebrew Association, einer der vierzehn jüdischen Vereine) in ihren prächtigen Klubräumen einen Bali gibt, steht eine lange Reihe von Automobilen vor der Türe. Drinnen sind Juden und Mexikaner nicht voneinander zu unterscheiden, und es ist schließlich gar kein Anlaß, dies zu tun. Es ist sehr angenehm, so ruhig fortzuleben, ohne das quälende Ichbewußtsein, in einer Umgebung, die nur menschliche Beziehungen kennt, wo man leicht den entsprechenden intellektuellen und ästhetischen Kreis findet, der einem zusagt. Die Landschaft ist wundervoll, das braune Volk stark und sympathisch. Es lebt und wächst, das spürt man. Und man kann sich selbst ungehindert nach allen Seiten entwickeln, kann ohne Hast und ohne Hindernisse seinen Weg finden und seine Zukunft formen. Vielleicht ist dies der Grund, warum Mexiko mir mit den schönen alten Judenlegenden so innig verbunden scheint; und warum so viele gleich mir von jenseits der Grenze wiederkehren. Man sagt hier: „Wenn einmal der Staub Mexikos in dein Herz gedrungen ist, findest du in keinem andern Lande Ruhe." Wie weit die Assimilation hier gehen wird, läßt sich heute nicht bestimmen. Sobald die Frauen und Kinder den Erstankömmlingen nachgekommen waren, gab es sogleich ein deutlich auskristallisiertes jüdisches Leben, das vorher bloß als Andeutung existiert hatte. Jetzt gibt es jüdische Vereine, eine jüdische Zeitung, eine zionistische Organisation. Der Spitalfonds wächst zusehends. Es gibt Lesevereine, Theaterklubs und die üblichen endlosen Diskussionen