Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 7 (1929)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1929)
- Article
- Mexiko - auch ein gelobtes Land
- Date
- 1929-01-01
- Page
- Seite 25 (sequence 11)
- Language
- German
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MEXIKO 25 sehen Conquistador gepflanzt wurde, hat sich weit verbreitet. Oliven, Trauben und andere aus Spanien eingeführte Gewächse waren schon zur Kolonialzeit so einträglich, daß es damals Monopolgesetze gab, die deren Zucht gewissen bevorzugten Gruppen vorbehielt. An vielen Stellen des Landes ist der Regenfall so reichlich und der Boden so fett» daß er zwei Ernten im Jahre liefert, wiewohl ihn der primitive Pflug gerade nur aufkratzt. Es gibt indische Kräuterwässer, die das Haar dicht und glänzend machen. Es gibt Pflanzen und Fische, aus denen leuchtende, nie verblassende Farbstoffe gewonnen werden;das zeigen die uralten indischen Textilien. Und doch kommt es im Lande vor, daß indische Färber die deutschen Anilinfarben benützen! Warum all diese Möglichkeiten bis heute nicht genutzt wurden, ist eine lange und komplizierte Geschichte. Die halbe Erklärung liegt in den Jahrhunderten spanischer Herrschaft, spanischer Tradition, die bis zum Jahre 1910 Industrie und Handel unerbittlich der Regierung vorbehielt, welche einzelne Zweige stückweise den Bevorzugten zuwies. Die andere Hälfte der Erklärung liegt in der Angst, daß auswärtiges Kapital, eine unumgängliche Notwendigkeit für jedes Unternehmen, allerlei Mißstände mit sich bringt, vor allem eine gekräftigte Arbeiterbewegung, lerner Beschlagnahme der Güter und allgemeine Unsicherheit. Wenn man das Einleben der jüdischen Faktoren in die mexikanische Wirtschaft verfolgt, sieht man genau, wieviel von dieser Angst begründet, wieviel bloße Einbildung ist. Es ist wahr, daß die Industrien in Mexiko in den letzten Jahren viel unter Schwierigkeiten mit der Arbeiterschaft zu leiden hatten. Aber das Gleiche gilt von jeder Industrie in der ersten Zeit, da sich die Arbeiterschaft anfängt zu organisieren. Andrerseits gibt es in Mexiko billiges Rohmaterial in Hülle und Fülle, und wenn man die Bedürfnisse des Landes erfaßt, einen schier unerschöpflichen Markt. Ein Agent für Textilmaschinen sagte mir, daß die Textilindustrie Mexikos nicht nur veraltete Maschinen, sondern ebensolche Arbeitsmethoden hat, und daß die Führung eine außerordentlich nachlässige ist. Trotzdem machen sie Riesenprofite, im Verhältnis viel größere als die der amerikanischen Fabriken mit ihren tüchtigen und genauen Leitern. Manche Einwanderer geben offen zu, daß die Gewohnheit des Leicht verdien ens es ihnen unmöglich macht, ihre Betriebe zu reorganisieren. Einer sagte mir: „Wissen Sie, wir sind es schon so gewöhnt, zweihundert Prozent zu verdienen, daß wir ein Wehgeschrei erheben und glauben, wir geheu zugrunde, wenn es bloß hundert sind!*'