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Menorah · 1929-01-01 · Heft 1 (Januar 1929) · p. Seite 19

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
7 (1929)
Issue
Heft 1 (Januar 1929)
Article
Mexiko - auch ein gelobtes Land
Date
1929-01-01
Page
Seite 19 (sequence 5)
Language
German
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MEXIKO 19 weder kriecherisch oder arrogant. Ich flüchtete nach Mexiko, knapp vor Erlangung meines akademischen Grades, den ich besonders jung erreicht hätte, was in der kleinen Stadt natürlich Aufsehen machen mußte. Alle Bekannten jammerten: „Ein junges Mädchen aliein in einem wilden, unruhigen, unzivilisierten Lande — Um jene Zeit strömten aus allen Teilen der Welt Juden nach Mexiko, in der Hoffnung, sich von dort aus nach den Vereinigten Staaten, dem gelobten Lande, durchschmuggeln zu können. Denn es war die erste Zeit nach Einführung des neuen Immigrantengesetzes. Es waren bewegliche, freundliche junge Menschen, manche ein wenig abgeplagt und verdrossen, andere durch kürzlich erlebte Pogrome wie betäubt, viele argwönisch und nervös. Ich sah zu, wie sie das Schiff verließen, jüdisches Quecksilber, das auf den heißen, hellen Sand in Vera Cruz rollte. Da ich scheu und planlos im Lande umherwanderte, traf ich noch Öfter einen oder mehrere von diesen unseligen Volksgenossen, unruhig, heimatlos, unglücklich. Meist war es weit von der Eisenbahnstraße entlernt. Bei solchen Gelegenheiten fand ich ein wenig von meinen alten kindischen Vorstellungen wieder. Ja, das alte Bild gewann neue Farben, wurde reicher und lebendiger. Diese Leute hatten Mut, Humor und Würde. Die ferne, verlassene Heimat gab ihnen einen tragischen Nimbus, aber was glänzte so klar und hell aus ihren Augen? Woher kam es, daß sie so schnell ein Plätzchen fanden, wie für sie ge^- schafien, in diesen fernen Winkeln der Welt? Auf der Suche nach ich weiß nicht was (Vielleicht war es die verlorene Selbstachtung?) traf ich in einem hochgelegenen, winzigen Indianerdorf, am Abhang eines blauen Vulkans hingeschmiegt, den Hausierer Jakob Rosenblut. Er verkaufte Heiligenstatuetten und Kruzifixe. In einer von Mauern umgebenen alten Stadt, die von Rebellen belagert wurde, begegnete ich einer ganzen Reihe anderer Jakobs und Isaaks, die Spanisch gerade nur radebrechen konnten. In Merida, der Hauptstadt Yukatans, erfüllten sie den ganzen Marktplatz mit leuchtenden Seidenstoffen und gestreiften Basthüten und Sandalen, die sie zum Kaufe ausboten. Ich war unter unseren Leuten! In Mexiko (der Stadt) gibt es eine alte Kolonie dunkelhäutiger sephardischer Juden, die Spanisch sprechen. „Alt" heißt hier bloß, noch aus der Zeit vor den Einwanderungsbeschränkungen der Staaten stammend. Diesen Alteingesessenen wurde unbehaglich zumute, als man in den Straßen der Hauptstadt immer häufiger die tischenden Laute des jüdischen Jargons hörte. Unruhe, Zweifel und Miß-

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