Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 7 (1929)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1929)
- Article
- Mexiko - auch ein gelobtes Land
- Date
- 1929-01-01
- Page
- Seite 18 (sequence 4)
- Language
- German
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18 MENORAH Als die Revolution fast vorüber war, verließen wir Mexiko schweren Herzens. Unser Gut war von Schützengräben durchzogen, das Vieh war fort, die Felder waren zerstampft und blutgedüngt. Zwei Tage lang reisten wir unter schwitzenden Soldaten und fliehen den Frauen, um Mitternacht überschritten wir die Grenze. J^ür mich war Mexiko mit der Vorstellung verklärter Judengestalten verbunden, trotz des Kinderschrecks. Nördlich des Rio Grande begegnete ich keinem Angehörigen meines Volkes, der in diese Vorstellung hineingepaßt hätte. Die Kinder, die mir meine Mutter als Juden bezeichnete, sahen nichts weniger als heldenhaft aus. Sie waren genau so schlimm und unhöflich wie all die andern Schulkinder, die brüllten und lärmten und einander knufften und stießen. Meist fühlte ich mich sehr einsam, denn niemand wollte mit der „Zugereisten" zu tun haben. Das war ich nämlich schon infolge meiner fremdartigen Aussprache. Später erwarb ich mir eine Freundin, aber eines Tages erklärte sie, sie dürfe nicht mehr mit mir spielen, wiewohl ich damals längst akzentlos sprach. Warum nicht? Weil ich eine Jüdin sei. Ich wandte ein, daß auch Christus ein Jude gewesen sei, worauf ihre Mutter das Gespräch in sehr unhöflicher Weise abschnitt und mich nach Hause schickte. Im Obergymnasium gab es wohl keinen Kinderschreck, aber allerlei Unvernunft und Haß und Scheußlichkeiten. Die geliebten Legenden verschwanden aus meiner Seele. Irgend etwas war nicht in Ordnung. Die Juden waren mir besonders unangenehm. So ging ich in eine Klosterschule, hauptsächlich, um meine verlorenen Kindei träume wiederzufinden, oder um wenigstens die neue Welt um mich zu verschönern. Im Kloster war es friedlich, und eine Nonne besonders hatte eine heitere, abgeklärte Seele und weiche, barmherzige Hände. Ihr lag nichts an meiner krummen Nase, die meine Bekannten außerhalb des Klosters, Juden wie Christen, so sehr gestört hatte. Niemand machte den Versuch, mich zu bekehren. Aber ich konnte nicht bleiben, denn die Juden nahmen plötzlich ein hysterisches Interesse an mir und brachten mich dazu, wieder auszutreten. Ich hatte doch nichts wollen, als in Frieden gelassen zu werden! An der Universität war es noch ärger. In Texas hatte die feinste Pension ein großes Schild über der Tür: ,,Jüdinnen haben keinen Zutritt". Die Juden aber waren mir noch immer unerträglich. In den akademisch-jüdischen Vereinigungen gab es ein ewiges Zanken und Streiten und Ausschließen, und die meisten Studentinnen waren ent-