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Menorah · 1929-01-01 · Heft 1 (Januar 1929) · p. Seite 17

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
7 (1929)
Issue
Heft 1 (Januar 1929)
Article
Mexiko - auch ein gelobtes Land
Date
1929-01-01
Page
Seite 17 (sequence 3)
Language
German
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MEXIKO 17 gebeten, sich bei ihr auszuruhen, aber der arme Alte mußte das Wasser trinken, während er sich weiterschleppte. Anacleto war der Meinung, daß alte Juden meist schlecht und böse seien und lange Bärte und noch längere Messer haben. Aber junge Jüdinnen seien lieblich und gut und hätten viel zu erdulden. Um jene Zeit hatte ich die fixe Idee, daß alle Menschen von den Propheten abstammen und daß es für jedermann verboten sei, Schweinefleisch zu essen. Ich sprach Anacleto davon, aber er wollte nicht auf seinen Braten verzichten, und so fand ich folgende Erklärung: es gibt eben zweierlei Juden, Israeliten und Philister. Eines Tages kam ein reicher Nachbar vom nächsten Gute zu uns zu Tische. Er sprach von dem „verrückten Madero(t und machte sich darüber lustig, daß Madero die Landarbeiter aufklären und ihr Los verbessern wollte. Er sagte, Madero sei ein irregeleiteter, idealistischer, fanatischer, schamloser Jude. — Nachher beriet ich mich mit Anacleto über diese Dinge, und er erklärte mir, Madero sei der Mann, der den reichen Leuten das Land wegnehmen werde, um es unter die Armen zu verteilen. Dann würden alle weißes Brot zu essen haben, sagte er. Aber er wußte bestimmt, daß Madero weder lange weiße Gewänder trug, noch Hörner auf dem Kopfe; einen Glorienschein hatte er auch nicht. Die Gutsbesitzer lachten, und die Dienstleute sangen ein kleines Lied : Wenig Arbeit, Haufen Geld, Reichlich unser Feld bestellt — Das will uns Madero geben. Lange soll Madero leben! Aber die Gutsbesitzer lachten zu früh. Eines Morgens kamen sie zu uns und murmelten allerlei von Fletcher und Vera Cruz, und Anacleto vertraute mir an, daß die Amerikaner kommen und alles kurz und klein schlagen würden. Meine Mutter nähte ein Säckchen, steckte verschiedenes hinein und hing es sich um den Hals (ich dachte steif und fest, es wären unsere Hausgötter!) und wir flohen in die Stadt Mexiko. Unterwegs wurde der Zug angegriffen und eine betrunkene Horde schlug an die Fenster und drängte sich in die Pullmanwagen. Ich sah, wie ein schwitzender Bauer, Wut gegen die Amerikaner stammelnd, meinem Vater ein Messer an die Brust setzte. Da rief jemand, mein Vater sei durchaus kein Amerikaner — und der Bauer drückte meinem Vater die Hand!

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