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Menorah · 1929-01-01 · Heft 1 (Januar 1929) · p. Seite 13

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
7 (1929)
Issue
Heft 1 (Januar 1929)
Article
... Juden zu retten!
Date
1929-01-01
Page
Seite 13 (sequence 7)
Language
German
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JUDEN ZU RETTEN 13 Der Sinn dieses Schluchzens I In einigen Minuten sind in diesem Städtchen, all unsere Leiden und all unsere Größe zum Leben wieder aufgewacht. Nächsten Tag war die ganze Ortschaft, die viele Juden zählte, eifrig bemüht, uns Dienste zu erweisen. Meine Kosaken lachten mit breitem Grinsen ihre vollen Schüsseln an. Ich meinte vorsichtig: ,,Ich hab mit ihnen gesprochen. Da seht ihr, was Juden .sind. Hätten wir sie umgebracht, wir hätten nichts zu beißen.'' Kichernd erwiderte mir einer: ,,Schon wahr, Herr Kommandant, aber man hat uns gesagt, daß man sie totmachen soll." Dieser Erfolg und der erschütternde Eindruck, den er hinterließ, machten mich kühn. Es gehörte zu meinen Obliegenheiten, alle Mißbräuche zu ahnden. Es war unsere besondere Pflicht, das Kriegsunheil zu vermindern. Die Mörder-Offiziere dem Kriegsgericht auszuliefern, war ich offiziell befugt. Ich hatte es auf die Judenmörder unter ihnen scharf. Und wenn, wie es leider nur zu oft geschah, das russische Kriegsgericht für die Weißen und Roten, in diesem Punkt, gleich nachsichtig, sie nicht hinrichten ließ, wandte ich mich an die polnische Kriegsjustiz, die sie aufknüpfen ließ. Mein Eifer kannte kein Erbarmen. Ich war nahe daran, die Vorsichtsmaßregeln, die mir Savinkoff empfohlen, zu überschreiten, und mich zu verraten. Ich erinnere mich, daß mich einmal bei einer jener Mahlzeiten in der Offiziersmesse, wo wir uns, in aller Eile, von Zeit zu Zeit zu versammeln und zu unterhalten pflegten, ein alter griesgrämiger Oberst, der überdies einäugig war, im unechten Ton eines Spaßes, vor Haß und Wut zitternd folgendermaßen angeredet hat: „Sag mal, Leutnant, kümmerst du dich nicht am Ende zu viel um die Juden? Merkwürdig. Verdächtige Sache. Bist vielleicht gar selbst ein Jude?" „Sehaun's mal nach, Herr Oberst" — gab ich mit zynischer Harmlosigkeit zur Antwort. Das war mein einziges ernstes Alarmsignal. Die Bevölkerung begann schließlich zu ahnen, wer ich sei, so ungewohnt war mein Wohlwollen. Insgeheim nannten mich meine Schützlinge: der jüdische Leutnant. Doch niemand hat sich, hat mich verraten.

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