Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 7 (1929)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1929)
- Article
- ... Juden zu retten!
- Date
- 1929-01-01
- Page
- Seite 12 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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12 MENORAH Dieser einzigen Sucht, dieses einzigen Begehrens voll, kamen wir, ich und meine Patrouille, eines Nachts nach M. Es war eine jener schauerlichen Nächte, die es nur in den Pinsker Sümpfen gibt, da der dicke Regen von unten zu kommen scheint und die Wolken ebenso an der Erde wie am Himmel haften, und man in einem unentrinnbaren Netz von eisigem Wasser, stinkendem Nebel und Kot gefangen ist. Schlafen. Nichts, als schlafen. Jemanden aus dem Bett werfen. Nur dieses eine, einzige. Der Tag war sehr bewegt gewesen. Kein Versteckenspielen. Offener Kampf. Einer jener Kämpfe, die unter schweren, raschen Schritten den Schmutz zum Sieden bringen. Gesicht und Mantel waren voller Flecken. Und niemand dachte auch nur daran, sie abzuwaschen. Blut, Kot, was macht das? Schlafen! Schon sind wir, meine Kosaken und ich, auf der Jagd nach einem Bett. Armselige Hütten? Wir klopfen. Rennen Türen ein. Ich betrete eine Hütte, die mir meine Leute als die beste bezeichnet und überlassen haben. Ein schwarzes Loch. Ich tappe. Ich suche in meinem Rüstzeug, das vom Regen steif geworden ist, die elektrische Lampe, die ich an der Brust trage. Ich bewege sie in allen Richtungen. Spähe herum. Da, in einem Winkel, errate ich lebendige Wesen. Ein Haufen. Menschen wahrscheinlich. „Wer da?" Keine Antwort. „Wer da? Antworten!" Schluchzen. Nicht das wissende, das Geschehenes beklagt. Schluchzen, ganz von Sinnen, aus Ungewißheit, Vorahnung. „Wer ist dort? Juden?" Bei diesen Worten löste sich der Haufen. Das Weinen hörte auf. Das Leben erlosch. Ich sah einen Greis vor mir auftauchen. Mit starr auf mich gerichtetem Blick — und es waren Flehen und Mut, Scheu und Herausforderung in diesem Blick gräßlich gemischt — schon ganz Opfergabe, schon ganz mit dem Tode, sagte er zu mir schlicht. ,,Ja, ich bin Jude! Ja, alle sind wir Juden!" Ich neigte mich an sein Ohr, und versetzte jüdisch: „Was macht denn das?" Dabei wies ich mit dem Zeigefinger au! mich selbst. Er fiel mir zu Füßen und, meine Knie umarmend, begann er zu schluchzen, und alle schluchzten von neuem mit ihm.