Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 7 (1929)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1929)
- Article
- ... Juden zu retten!
- Date
- 1929-01-01
- Page
- Seite 11 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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- Pinsk 1× ep/1045440
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JUDEN ZU RETTEN Ich gehe schnurstracks auf sie zu. Schließe mich ihnen an. Wie sie, mehr noch als sie, bedränge ich den Juden. Beleidige, mißhandle, zerre ihn, pack' ihn an der Gurgel. So, daß ich ihn vor lauter Heftigkeit von der Bande trenne und immer weiter wegschiebe. Dann noch ein starker Fußtritt, der ihn aus ihrem Greifbereich wirft, und — er entflieht. Jeh beeilte mich sofort in das Abteil der polnischen Offiziere zu gelangen und gab dort meine List unter allgemeinem Beifall zum besten. Zum Brigadeadjutanten ernannt, dann als Eskadronchefstellvertreter einem Kosakenregiment zugeteilt, hatte ich die Freude, mich in diesem Lande, in dem es festen Boden gar nicht gibt, und das sich zu Hinterhalten trefflich eignet, mich im Rücken einer bolschewistischen Division, die durch unsere Waffen schon beinahe aufgerieben war, vervielfältigen zu können. Es war ein schweres Stück Arbeit. Feinde von allen Seiten. Feinde bei den Bolschewiken. Feinde in der eigenen Mannschaft. In den Städtchen, wo wir heimlich und unverhofft eingedrungen sind, gabs Plakate, die 50 000 Rubel als Preis für meinen oder eines meiner Soldaten ansetzten. Wir mußten uns mit roten Soldaten schlagen. Und mußten mit roten Zivilisten kämpfen, die das Land terrorisierten. Ich selbst tötete und ließ töten. Ich habe im Sumpfe von Pinsk alle Tschekas, die in Reichweite meines Schwertes kamen, mit der Wurzel ausgerottet. Auch Juden waren in diesen bluttriefenden Tschekas. Juden, die Juden umbrachten. Ich ließ sie hinrichten. Sie wurden vorgeführt. Man suchte sie ab. In ihren Kleidern, versteckt, fand man Juw7elen, Edelsteine, Ringe, Ohrgehänge mit dranhängenden Teilen des Ohrläppchens. Die große Sehnsucht des Krieges und des Guerilla-Krieges mehr noch als jedes anderen, was, glauben sie, ist es? Siegen, triumphieren, herrschen? Tja. Essen, trinken? Ja, vielleicht. Doch vor allem — schlafen. In einem Bett schlafen. Und übrigens, hat mans erreicht, so kann man gar nicht mehr drin schlafen. So sehr ist mans nicht mehr gewöhnt. Man haßt Menschen, die in Betten schlafen. Man wäre imstande zu morden, um in einem Bette schlafen zu können.