Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 7 (1929)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1929)
- Article
- ... Juden zu retten!
- Date
- 1929-01-01
- Page
- Seite 10 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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- Pinsk 1× ep/1045440
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10 MENORAH suchen, und daß sie besonders ihren Soldaten befohlen haben, die Juden zu beschützen. Dies Doppelspiel eben, diese offene Möglichkeit, reizte mich und ward mir zur Versuchung. Ich meldete mich bei Boris Sawinkoff, dem gewesenen Mitarbeiter Kerenskis während der ersten russischen Revolution, der konstitutionellen. Er war Oberbefehlshaber der russischen Truppen, die mit den Polen vereint kämpften. Ich erklärte ihm mein Vorhaben. Nur um Juden zu retten und ihre Mörder zu züchtigen, nähme ich das militärische Joch nochmals auf mich. Dies sei mein Verlangen. Die Patrouillen und Streifzüge der Weißen hinter der bolschewistischen Front schienen mir hierzu geeignet. Ich bat aufgenommen zu werden. Er musterte mich: kein Ton in der Sprache, kein Zug im Gesicht, der anstößig wäre. Gut! Russischer Offizier: ja, es wäre möglich. Aber Achtung! Russen sind Russen. Wenn sie Sie demaskieren, wenn sie Verdacht schöpfen, wenn Sie in ihrem Eifer zu weit gehen, dann, Achtung, dann gilts den Kopf. Ich verneigte mich. Dies war all meine Antwort und dies unser ganzer Vertrag. Savinkoff ließ mich einreihen. Wie ich später erfuhr, taten einige Kameraden das Gleiche. Wir nahmen russische Decknamen an, wir kleideten uns in die Uniform russischer Offiziere. Ich fuhr von Warschau in die Gegend von Pinsk, jene tragische Gegend, wo sich w7ährend des deutsch-russischen Krieges gigantische Kämpfe abgespielt haben. Die Sümpfe von Pinsk... Ungeheure Einöden, blutgetränkt in alle Ewigkeit. Noch heute, bei Gott, läßt die Erinnerung an sie einen Augenblick alle Freude ersterben. Von Anfang an gab ich mir Rechenschaft über die Gefahr meiner Aufgabe. Ich kommandierte Posener Truppen. Deren Hauptvergnügen war es, Juden Bärte abzuschneiden. Die polnischen Offiziere hätten mit Engelszungen reden mögen, um es ihnen beizuzubringen, daß, wenn die Bolschewiken derlei trieben, dies Grund genug sei, es unsererseits zu unterlassen. Nichts zu machen. Eher hätten sie ihre Offiziere umgebracht. Die polnischen Offiziere schlössen sich, machtlos, in ihre Coupes ein. Da bemerke ich einmal am Bahnhof beim Einsteigen, fünf meiner Leute, die einen Juden mißhandeln. Sie reißen ihn bei den Haaren, zausen ihn am Bart, stoßen ihn. Was tun? Und wie würde das enden? Nur zu gut wußte ich, wie das enden würde.