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Menorah · 1928-11-01 · Heft 11-12 (November 1928) · p. Seite 714

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
6 (1928)
Issue
Heft 11-12 (November 1928)
Article
Geschichtliches aus Nürnberg
Date
1928-11-01
Page
Seite 714 (sequence 6)
Language
German
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714 MENORAH und 1267 den Juden vorgeschriebenen eigenen Kleidung (ursprünglich rotCj getürmte Hüte, später Barette bzw. flache Hüte1*), sollten sie sich nun auch in der Barttracht von der christlichen Bevölkerung u n t er sch e id e n. Hatten also die Juden bereits seit dem Beginn des 14. Jahrhunderts schwer zu leiden, so drohte ihnen um die Mitte desselben neues Verderben. Wie überall, wurden sie auch hier beschuldigt, die in den Jahren 1348/49 wütende Pest durch Brunnenvergiftung verursacht zu haben. Der Haß gegen die Juden steigerte sich ins Unermeßliche und strebte nach fürchterlicher Entladung. Eine Katastrophe schien unausbleiblich. Doch statt Vorsichtsmaßnahmen zu ihrer Verhütung zu veranlassen, zieht es Karl IV., der Schlimmes voraussah, vor, bis ins Einzelne gehende Vorkehrungen zu treffen, die ihm im Falle einer Vertreibung das Vermögen der Juden sichern. Bereits im April 1349 verschrieb er Arnold von Seckendorf einen großen Teil der Judenhäuser. Im Juni trat er die Steuern dem Burggrafen ab. Schließlich sprach er noch unterm 2. Oktober den Rat der Stadt von jeder Verantwortung frei, falls er nicht imstande sei, den Verfolgungen entgegenzutreten. Damit war ihr Schicksal besiegelt. Am 6. Dezember 1349 brach denn auch das Unglück über sie herein. Nach vorangegangenen Plünderungen wurden „die Juden zu Nürnberg auf dem Juden-Pühel (jetziger Stadtpark) verbrannt und totgeschlagen"11). Schon vorher, am 3. November, verfügte Karl IV. die Niederreißung der Judenhäuser sowie der Synagoge15), an deren Stelle eine Kirche (die jetzige Frauenkirche) zu erbauen sei. Dieser Befehl wurde im darauffolgenden Jahr in die Tat umgesetzt. ,,Die Judengassen und Häuser, welche zu Anrichtung der großen Plätze, des grünen und Obstmarktes und zu Erbauung der Frauenkirche hinderlich waren, die wurden abgebrochen. Welche aber nicht hinderlich waren, wurden Christen überlassen"11'). Das törichte Märchen genügte, in brutalster Weise gegen die Juden vorzugehen, um dann die indessen herrenlos gewordenen Güter gewissermaßen mit Recht in Besitz nehmen zu können. Daß hierbei die größten Hetzer am meisten profitierten, beweisen die vielen Schenkungen, die ihnen seitens des Staates zuteil wurden. Ulrich Stromer, der sich nach Prag zum Kaiser delegieren ließ, um darüber Beschwerde zu Führen, ndaß die Juden die schönsten Häuser und wohlgelegensten Oerter der Stadt inne hatten", war denn auch der erste, der ,,wegen seiner Treue und guten Dienstes willen" mit mehreren Judenhäusern bedacht wurde, die ihm in kurzen Abständen König Karl IV. überschrieb. So wurde die jüdische Gemeinde vom Hasse des Pöbels vernichtet, dessen Wunsch in Erfüllung ging: Nürnberg ward judenrein.

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