Mannheim
Compact Memory

Menorah · 1928-11-01 · Heft 11-12 (November 1928) · p. Seite 712

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
6 (1928)
Issue
Heft 11-12 (November 1928)
Article
Geschichtliches aus Nürnberg
Date
1928-11-01
Page
Seite 712 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2912821-2912879-2912890-2922858--07345-2923034
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

712 MENORA11 Die Juden ließen sich in der Nähe der Burg, auf dem .heutigen Hauptmarkte und einem Teil des anschließenden Obstmarktes nieder, wo sich bald ein abgeschlossenes jüdisches Viertel bildete. Längs den „Schönen Brunnen'1 zur Frauenkirche'*), an deren Stelle die Synagoge stand, liefen einige Parallelstraßen, die sog. vorderen Judengassen". Hinter der Synagoge befanden sich ebenfalls eine Reihe jüdischer Häuser, zu den auch die heutige „Capadocia" gehörte. Als die angewiesenen Wohnstätten nicht mehr ausreichten, gab Kaiser Ludwig die Erlaubnis, einige weitere Häuser am damaligen Salzmarkt (vermutlich Spitalplatz, heute Hauptsynagogelu) zu kaufen. Bei den Nürnberger Stadtbürgern, die es ohnedies nicht dulden wollten, daß sich Juden an diesen Plätzen niederließen, verursachte diese Verfügung große Erregung, so daß später (1334) Kaiser Ludwig die Versicherung abgeben mußte, für die Folge nie mehr Juden dazu verhelfen zu wollen, christliche Häuser zu erwerben. Das Leben der jüdischen Gemeinde stand um die Mitte des 13. Jahrhunderts in voller Blüte. Zu dieser Zeit wirkte in Nürnberg einige Jahre auch der hochberühmterDJttTJ □//"!r:^ Später fungierte als „Judenmeister1' (damalige Bezeichnung für Rabbiner) dessen Schüler Rabbi Mordechai ben Hilel, bekannt durch seinen dem fp beigedruckten Kommentar zum Talmud „^tie"«. Er ist mit seiner Familie im Jahre 1298 bei der unter Führung des berüchtigten Rindfleisch in Bayern wütenden Verfolgung, der über 100 000 Juden zum Opfer fielen, umgekommen11). Die Verfolgungen des Jahres 1298, unter denen auch Rothenburg und Würzburg besonders stark zu leiden hatten, zerstörten das jüdische Leben Nürnbergs, und so endete das 13. Jahrhundert mit großem Schrecken für Nürnbergs Juden. Mit Beginn des 14. Jahrhunderts finden wir wieder Juden in Nürnbergs Mauern. Der Beschluß des Reichstags zu Nürnberg unter Albrecht I. im Jahre 1298, der den Juden Schutz versprach, mag sie wieder nach Nürnberg gelockt haben. Daß das Verhältnis der Juden zum Volke und den Herrschern aber keineswegs besser wurde, beweisen die vielen aufeinanderfolgenden, das Leben der Juden erschwerenden Verordnungen. Der Haß gegen sie scheint sich vielmehr seit der letzten Verfolgung weiterer Bevölkerungskreise zu bemächtigen; unsicher und trüb erscheint die Zukunft. Die Entrechtungen werden immer zahlreicher. Mit Verfügung Heinrichs VII. wird den Juden vom Jahre 1313 an der Verkauf ihres Fleisches an den öffentlichen Fleischbanken verboten. Gingen Kinder jüdischer Bürger eine Ehe ein, so mußten sie innerhalb vier Wochen — auswärtige 14 Tage — die Stadt verlassen bzw. um das Bürgerrecht nachsuchen. Ein weiterer Erlaß Heinrichs VII. aus dem gleichen Jahre gestattet zwar

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.