Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 6 (1928)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1928)
- Article
- Memorbücher
- Date
- 1928-11-01
- Page
- Seite 701 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2912821-2912879-2912890-2922852--07323-2923023- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
MEMORBÜCH FR 701 Das Urbild und V orbild aller Memorbücher ist das alte Mainzer, angelegt, im Jahre 1296. Es vereinigt zum erstenmal die Totenliste mit liturgischen Gebetstücken und. gestaltet es damit zu einem offiziellen Gemeinde-Gebetbuch von ausgesprochener Individualität, da uns zahlreiche Variationen von Gebeten, je nach der Gemeindezugehörigkeit, in der Folgezeit begegnen. Die Memorbücher sind daher für liturgische Forschungen von nicht zu unterschätzender Bedeutung, Dem Mainzer Memorbuch ist ein sonderbares Mißgeschick wideri'ahren. Prof. Sülfeld, Rabbiner in Mainz, ein anerkannter Gelehrter, hat die Behauptung aufgestellt, es gehöre nach Bayern und habe ursprünglich der Gemeinde Nürnberg gehört. Er hat auch den Martyrologicnteii in einem gelehrten und umfangreichen Werk als das „Martyrologium des Nürnberger Mcmorbuehesu im Jahre 189o herausgegeben. Gläubig nahm man das seit diesem Jahre hin. Durch meine Untersuchungen ist aber über allen Zweifel festgestellt, daß seine Hypothese unhaltbar ist. Bayern kann es also nicht für sich reklamieren. Im übrigen dürfte es aber kein Landgebiet geben, wo das Mainzer Memorbuch so viele Nachfolger gefunden hat, wie Bayern. Daß es allen Memorbüchern überhaupt als Vorbild galt, geht schon daraus hervor, daß dasjenige von Pfersee eine historische Notiz aus ihm kopiert. In Einem sind die späteren Memorbücher dem Mainzer nicht gefolgt. Dieses bringt im Martyrologium nicht nur eine Aufzählung der Märtyrerorte, sondern auch viele Tausende von Personennamen derer, die bei diesen Verfolgungen ihr Leben lassen mußten, insbesondere aus der Zeit der Kreuzzüge und der fränkischen Verfolgungen; alle anderen bringen nur die Orte. Eine Ausnahme bildet nur „das Memorbuch von Hagenbach" (unter diesem Titel von mir behandelt in einer im Jahre 1927 erschienenen Sondcrschriit). Es hat bei den einzelnen fränkischen Orten ein mit dem Mainzer im wesentlichen übereinstimmendes Verzeichnis der Märtyrer, wenn auch in v e r k ü r z t cm 1J m f a n g. Ein ganz besonderes Schicksal ward dem Memorbuch der Klaussüftung in Fürth zuteil. Es war im Jahre 1633 für die Gemeinde Wien angelegt worden. Iiier wurde es in Gebrauch genommen und fortwährend durch Neueintragungen verdienter Verstorbener ergänzt. Im Jahre 1670 erfolgte die Austreibung der Juden aus Wien. Ein Mitglied der Familie Frankel, das sich in Fürth niederließ, nahm es mit nach dieser Stadt. Später wurde es hier von der Klausstiftimg übernommen, als eigenes Memorbuch benützt und bis in die Gegenwart weitergeführt. Dieses Memorbuch ist nach seiner ganzen Aus-