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Menorah · 1928-11-01 · Heft 11-12 (November 1928) · p. Seite 702

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
6 (1928)
Issue
Heft 11-12 (November 1928)
Article
Memorbücher
Date
1928-11-01
Page
Seite 702 (sequence 6)
Language
German
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702 M E N O R A II stattung seiner ruhmreichen Anlagcgemeinde Wien würdig. Sorgfältigste Schrift, prunkhafte Ausführung, reich vergoldete und versilberte Initialen und Uebcrsehriften zeichnen es vor allen übrigen bayerischen Mcmorbüehern aus (s. Mcnorah Nr. 2, IV. Jahrg.). Erwähnenswert ist auch das Schicksal des Memorbuehes von Sulzbach. Bei einein großen Brand, dem mit dem größten Teil der Stadt auch die Synagoge zum Opfer fiel, verbratinte auch es. Der Gemeindediener hatte aber die dort eingetragen Gewesenen noch in Erinnerung, und diese wurden nach seinen Angaben in ein von einem Mäzen der Gemeinde gestiftetes neues Memorbuch übertragen. Von einiger Bedeutung sind die Meniorbüehcr als Geschieh tsquellen, wenn diese auch oft überschätzt wird. Einige bieten allerdings überaus wertvolle Daten für die Familiengeschichte ihrer Gemeinde; hierher gehören besonders die fünf Meniorbüehcr von Fürth, von denen zwei als offizielle Gemeindememorbücher betrachtet und zielbewußt weitergeführt wurden, während drei von Stiftungen benützt wurden. Sie ergänzen sich gegenseitig, und wir linden dort alle Männer Aerzeich.net, die irgendwie in der Oeffentlichkeit hervorgetreten sind, auch viele Frauen. Sie sind noch dadurch besonders bedeutungsvoll, daß in ihnen die Einträge fast durchweg datiert sind; fast alle übrigen aber leiden unter dem schweren Mangel, daß die Zeitangaben fehlen; es reiht sich bei diesen Name an Namen, ohne daß wir einen Anhaltspunkt dafür bekommen, wann die betreffenden gelebt haben. Wir tappen dadurch oft geradezu im Dunkeln, in welches Jahrhundert sogar ihr Leben anzusetzen ist. Hierher gehört z. 13. das im übrigen offenbar sehr sorgfältig weitergeführte Memorbuch von Zirndorf. Wenn wir da wüßten, wie die zahllosen dort angeführten Namen sich zeitlich aneinander schließen, hätten wir eine geschlossene Genealogie der dortigen Familien vor uns. Fundgruben von besonderem Wert sind diese Bücher vor allem für die Geschichte der Gelehrten und Rabbiner. Manche bisher im Dunkeln gelegenen Perioden von Rabbinern wurden durch plötzliche Funde in einem Memorbuch einer kleinen Gemeinde aufgeklärt. Zuweilen finden wir gelegentliche chronikartige Eintragungen von wichtigen Ereignissen in der Gemeinde, z. B. wann die Synagoge oder der Friedhof angelegt wurde, wie z. B. in Hagenbach oder in Heidingsfeld oder in Aub bei Würzburg. Das letztere ist besonders originell; es hält sich van dem schematischen Einerlei der übrigen völlig fern und gibt recht schöne Einblicke in das alte Gemeindeleben, bringt sogar ein Ereignis aus den politisch traurigen Zeiten des Dreißigjährigen Krieges. Das Sulzbachcr bringt eine für die allgemeine Ortsgeschichte interessante Schilderung eines Brandes, der den größten Teil der Stadt in Asche gelegt hat.

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