Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 6 (1928)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1928)
- Article
- Memorbücher
- Date
- 1928-11-01
- Page
- Seite 698 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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698 VI E N 0 R A I I Es schlössen sich in der Folgezeit herkömmlicherweise i;ocli einige überlieferte Ortslisten aus späteren weitgreif enden Judenverfolgungen, besonders aus der großen fränkischen Verfolgung im Jahre 1298 und derjenigen zur Zeit des schwarzen Todes (1348 —1350) an. So tief aber der innere Drang unserer damaligen deutschen Vorfahren auch gewesen sein mag, stets der unglücklichen Einzelmärtyrer (und Märtyrerorte) zu gedenken, die als tapfere Glaubenshelden ihr Leben hatten lassen müssen, während sie selbst durch ein gütiges Geschick vor diesem Los verschont geblieben waren, — im Laufe der Jahrzehnte und Jahrhunderte verblaßte doch allmählich die Erinnerung an die einstigen schrecklichen Ereignisse; man stand den Listen mit ihren bei dem damaligen geringen Umf ang geographischer Kenntnisse oft recht fremdartig klingenden Ortsnamen aus entlegenen fremden Landstrichen ganz verständnislos gegenüber. Das Interesse für die Listen schwand mehr und mehr. Diese gingen zu Verlust. Die noch vorhandenen gelten als historisch wertvolle Funde. Wir werden weiterhin noch darauf zurückkommen. Es ist ja auch ganz natürlich, daß die damaligen, auf lose Zettel geschriebenen Märtyrerverzeichnisse im Laufe der Jahrhunderte unansehnlich wurden oder auf andere Weise zu Verlust gehen mußten. Neben diesen Märtyrerlisten bestand für den gottesdienstlichen Gebrauch noch eine zweite Gattung, die wir in folgendem als ,,Nekrologisten" bezeichnen wollen. Es war ein altes jüdisches Herkommen in Deutschland, beim Gottesdienst Verstorbener zu gedenken, die bei Lebzeiten sich für die Oeffentlichkeit Verdienste erworben hatten. Auch hier gab es feste tradierte Listen, die von Gemeinde zu Gemeinde überliefert w7orden waren. Es waren Namen großer Männer, deren Ruhm im allgemeinen nicht an einen bestimmten Ort geknüpft war, sondern durch das ganze deutsche Judentum strahlte. Wir nennen Gerson, ,,das Licht der Diaspora", Raschi, Rabb. Tarn, Rabbi Jakob Weil, R. Jakob Lcvi (bekannt unter dem Namen Maharil), R. Meir aus Rothenburg, den berühmten synagogalcn Dichter Simon der Große", R. Schalhim, vor allem aber an der Spitze dieser Liste regelmäßig (mit kaum einer einzigen Ausnahme) das Ehepaar Salomo und Rahel, „die den Friedhof in Mainz gekauft haben", und das Ehepaar Isak und Bela, ,,clie die Aufhebung des Judenzolles in Koblenz zu erwirken vermocht hatten". Beachten wir gleich hier wohl, daß alle diese regelmäßig in diesen Listen wiederkehrenden Personen in Mainz oder dessen nächster Nachbarschalt gewohnt haben. Nach besonderer Auswahl wurden noch einige Großen aus deutschen Gebieten hier und da hinzugefügt. In vielen Gemeinden ging man dazu über, Verstorbene des eigenen Ortes, deren Andenken mit dem Tode