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Menorah · 1928-11-01 · Heft 11-12 (November 1928) · p. Seite 694

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
6 (1928)
Issue
Heft 11-12 (November 1928)
Article
Die Malerei in den Synagogen
Date
1928-11-01
Page
Seite 694 (sequence 8)
Language
German
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694 MENG KALT auffällig bei dem hier doppelt vorkommenden Bild von Jerusalem. Sehaubrottisch und siebcnarmiger Leuchter sind fortgefallen, erstercr hätte bei der Grundrißeinteilung in die Frauensynagoge oder auf die diese abgrenzende Bretterwand fallen müssen. In Kirch heim überwiegen die Inschriften, nicht die Bilder, worin möglicherweise der Wunsch des Auftraggebers zu erkennen wäre, zumal in der Decke die Tiergestalten fehlen. Wir scheinen somit nicht nur zeitlich, sondern auch inhaltlich am Ende einer Kunstübung angekommen, die in ihrer größten Leistung in Bechhofen am vollständigsten auftritt. Fassen wir das Gesamtwerk des Meisters Sußmann zusammen, so ist neben seinem Formen- und Farbenreichtum seine Geschicklichkeit in der Darstellung der Tierwelt am erstaunlichsten. Zweifellos arbeitet auch er nach den aus den Handschriften, zum größeren Teil aber nach den aus den Renaissancedrucken entnommenen Typen. Bemerkenswerter sind jedoch die aus Vorbildern genommenen, nach den Naturstudien vervollkommneten Tierdarsteliungen, die sich sehr merklich vor. denen unterscheiden, die er nicht aus der Wirklichkeil kannte. Da sind zuerst einmal neben einigen Pflanzen alle Arten von Federvieh, das dem Landjuden aus seiner täglichen Umgebung vertraut war. In Horb zeigt er uns z. B. zwei kämpfende Hähne, Enten, Gänse und Kapaune. Aber auch die Vögel aus Wald und Feld kehren in Horb wie in Bechhofen immer in lebendiger Darstellung wieder. Unter den Vierfüßlern ist ihm der Flase am geläufigsten, der in immer anderer Fassung gezeigt wird, auch mit dem Fuchs weiß er noch etwas Rechtes anzufangen. Beim Reh aber greift er auf seine Vorlagen zurück1"), und beim turmtragenden Elefanten wird das Mißgeschick der Epigonie zur Groteske; Kleister Sußmann setzt hinten auf den Dickhäuter, der bei ihm einige Aehnlichkeit mit dem Schwein hat, ein richtiges großes Etagenhaus. Alle löwenartigen Tiere und das Einhorn sind heraldisch geartete Wesen, an denen, wie auch bei einigen eulenartigen Tieren, die menschenähnlichen Gesichter auffallen. Dieser Anthropomorphismus fand sieh schon in Jablonow und läßt sieh als ein Malerscherz mit Rücksieht auf gleichnamige Gemeindemitglieder oder als eine Entschädigung dafür, daß Menschen nicht zur Darstellung gelangten, erklären. Es wäre aber auch eine Umkehrung der z. B. aus dem Wormser Machsor bekannten Uebung, Menschen Tier- oder Vogelköpfe zu geben11), denkbar. Archaismen gibt es auch sonst reichlich; besonders die Darstellung Jerusalems macht einem recht altertümlichen Eindruck und erinnert sehr stark an die Miniaturmalerei des Mittelalters, wenn sich auch manche späteren Formen in die Zeichnung eingeschlichen haben. Die Blumen mit ihren langausgezogenen Ranken erinnern leb-

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