Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 6 (1928)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1928)
- Article
- Die Malerei in den Synagogen
- Date
- 1928-11-01
- Page
- Seite 690 (sequence 4)
- Language
- German
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690 MENORAH mcnt bestehen. Anders steht es natürlich bei Tempel, Tempelgerät und anderen heiligen Stätten und Objekten, bei denen übrigens sehr bald der scheinbar gewollte Archaismus oder Anaturalismus auffällt. Um jedoch eine kritische Bewertung der künstlerischen Leistung vornehmen zu können, müßten außer dem Schema noch gute Photos bzw. einwandfreie farbige Reproduktionen vorliegen, was leider nicht der Fall ist. Soweit die bekannten Reproduktionen aus Jablonow zuverlässig sind, lassen sie auf einen an Ziselierarbeiten geschulten Schreiber schließen, der seine Kunstfertigkeit liier an einer formal größeren Aufgabe mit viel Geschick erprobte. Wieweit Naturstudium und künstlerisches Eigene ollen möglich war und durchgeführt wurde, muß dahingestellt bleiben, ohne daß damit diese wichtige Frage bejahend oder verneinend beantwortet wäre. Durch diese Ueberlegung ist aber auch der Weg, den die Dekoration bis Jablonow genommen hat, gewiesen. Die ilandschril'ton und Drucke haben den übrigens unbekannten Meister angeregt. I0i.no kleine Umbicgung erfuhr seine ererbte Kunstübnng durch die ihn umgebende Bevölkerung und den Zeitstil, wozu wohl weniger das Studium anderer gleichartiger Kunstwerke, wie die oft gesehenen Motive von Textilien, Goldschmiedearbeiten und anderem Kunstgewerbe reichlich Gelegenheit gaben. Gewisse Orientalismcn sind nicht ohne weiteres als jüdische Eigenart zu verbuchen, sie finden sich in der gesamten gleichzeitigen Kunst, die immer wieder vom Orient aufs lebhafteste angeregt wurde. Daß der Künstler der Jablonower Malereien ein Jude war, wie dies bei den drei fränkischen Synagogen in Bechhofen, Horb und Kirchheim der Fall ist, muß aus den verschiedensten Gründen angenommen werden. im 17. Jahrhundert nötigten die Juden Polens ungünstige wirtschaftliche Verhältnisse, dies einst so gastliche Land zu verlassen und sich andere Wohnsitze zu suchen. Ein erheblicher Teil dieser Auswanderer siedelte sich in Franken an, so daß wir dort am Ende des IT. Jahrhunderts zahlreiche neugegründete Judengemeinden vorfinden. In Bechhofen unweit Ansbach wird 1564 nur ein Jude erwähnt. 1607 gibt es dort schon einen jüdischen Leichenhof, und 1681 wird bereits eine Synagoge genannt11). Vielleicht dürfte es sich um das gleiche Gebäude handeln, das dort noch heute benutzt wird und das, wie die Inschrift bezeugt, 1733 von Eliäser Sußmann, dem Sohn des Solomo, ausgemalt wurde. Von dem gleichen Meister rührt die 1707 fertiggestellte Ausmalung der Synagoge in Horb unweit des Marktfleckens Küps bei Bamberg und diejenige in Kirchheim in der Nähe von Würzburg vom Jahre 1739 bis 1740 her. Ob ihm auch die beiden anderen, in diese Zeit fallenden Ausmalungen von Synagogen1) zuzuschreiben sind, läßt sich nicht feststellen.