Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 6 (1928)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1928)
- Article
- Die Malerei in den Synagogen
- Date
- 1928-11-01
- Page
- Seite 688 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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688 M E N O R A H Schrift vielfach die Ornamentik durchdringt, sind hier die Schriftstellen selbständig gerahmt. Ein anschauliches Bild vom Schema dieser Wandgemälde geben die zeichnerischen Aufnahmen der 1650 bis 1670 erbauten Synagoge in Jablonow am Pruth, die nach Grotte 1674 entstanden sind. Ueber alle vier Wände des Gebetraumes breitet sich eine vielfarbige Bemalung aus, di^ Fenster, Türen und den Thoraschrank geschickt in die Komposition einbezieht. Es handelt sich um ein sehr wohl überlegtevS Schema, das hier anscheinend nicht zum ersten Male angewandt wurde, sondern bereits eine Entwicklung gehabt haben dürfte. Jede Wand ist in fünf hochkant gestellte Rechtecke aufgeteilt, deren mittelstes besonders hervorgehoben ist. An der Ostwand ist es der Heiligen Lade vorbehalten, im Norden dem Bild des Schaubrottisches, im Süden dem Bild des siebenarmigen Leuchters. Diese Stücke fanden einst im Tempel in Jerusalem an der entsprechenden Stelle ihren Platz und sind auch in der Synagoge — die nach einer Version des Talmuds6) ein Heiligtum im Kleinen ist — oft in denselben Himmelsrichtungen bildlich dargestellt. Im Westen nimmt der Ausgang die untere Hälfte des Mittelstückes ein, in der oberen Hälfte befindet sich die Darstellung einer geöffneten Pforte, in der ein auf das Bildwerk bezüglicher Spruch aus der Gemorah7) angebracht ist. Er besagt, daß alle Türen zum Himmel jetzt verschlossen seien mit Ausnahme der Tränenpforte, durch die sich das Gebet zu Gottes Thron Bahn bricht. In den beiden Tafeln zu jeder Seite der Mittelstücke, soweit sie nicht von den Fenstern ausgefüllt werden, sind Gebete und Segenssprüche, Bibelverse und Widmungen angebracht. Das Ganze ist unten und seitlich von einer Rankenwerk- Umrahmung umgeben und wird oben von einem Bildstreifen begrenzt. Im Osten findet sich hier je ein sehr linear dargestelltes Gebilde von Türen und Kuppeln. Das linke dürfte mit Rücksicht auf den darunterstehenden Psalm 122 als Jerusalem gedeutet werden; darunter ein Fuchs, die Gans in der Schnauze, ein grasender Hirsch und zwei Steinböcke, während man rechts mit Rücksicht auf die Inschrift an die Grabstätte der drei Stammväter denken könnte, darunter zwei Füchse. Im Norden links sind alle Tiere abgebildet, die in dem dort angebrachten Mischnahwort (Aboth 5, 23) vorkommen: Sei stark wie der Panther, schnell laufend wie der Hirsch, leicht beschwingt wie der Adler, gewaltig wie der Löwe, um den Willen Deines Vaters im Himmel zu vollbringen. Im Norden wird rechts ein Halbkreis und reiches Blüten- und Rankenwerk von zwei Löwen flankiert, darunter vier Pferde. Aehnlich wie das letzte Bild sind die beiden der Südwand, die statt der Löwen, links greifenartige, aber flügellose Vierfüßler, rechts Bären zeigen. Am interes-