Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 6 (1928)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1928)
- Article
- Der Regensburger "Ritualmordprozeß" 1476 - 1480
- Date
- 1928-11-01
- Page
- Seite 675 (sequence 11)
- Language
- German
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DER REGENSBURGER RITUALMORDPROZESS 675 in drei Tagen usw.). Aber nach erfolgter Judenaustreibung ist die Stadt weder größer noch reicher geworden. Die Behauptung, die Juden seien an der Verarmung der Stadt schuld gewesen, hat sich also nicht bestätigt. Die Juden selbst hatten richtig erkannt, daß der wirkliche Grund des Ritualmordprozesses (und der späteren Vertreibung) Haß und Neid waren. Sie wandten sich an den Kardinallegaten Alexander — der gegen Vergütung zugleich auch den Widerpart beim Kaiser vertrat — mit ihren zahlreichen Beschwerden gegen die Stadt, großen und kleinen, u. a.: man habe ihnen den Schutz der Zivil gerichtsbarkeit entzogen — was für Kaufleute bekanntlich eine Lebensfrage, übrigens auf Veranlassung des Bischofs geschehen war — und habe einer gefangenen kranken Jüdin den Kauf eines Huhns verboten. (So schimmert das Großvateridyll selbst aus dieser groben Sache noch wieder). Der Kaiser Friedrich hat an den Ritualmord nicht geglaubt. Er hat deshalb von der Stadt die Freilassung der Juden und deren Ueberantwortung an ihn verlangt. Er hat sich gleich der Stadt Regensburg in den Verhandlungen als ein harter Partner erwiesen* Kein Kaiser vor oder nach ihm ist bloß wegen des Schutzes seiner jüdischen Kammerknechte je so weit gegangen, wie er gegen Regensburg ging. Man hat das aliein aus erpresserischen Absichten des Kaisers erklärt, und so ist es auch in den modernen Geschichtsbüchern noch zu lesen. Das ist aber überaus unwahrscheinlich. Selbst der geldgierige König Wenzel und sein Sohn Sigismund hatten, wo sie nicht 100% ihrer Forderungen bekommen konnten, stets auch 10% genommen. In fiskalischen Dingen war jene Zeit nicht heikel, und Friedrich brauchte an sich weniger Geld als seine beiden Vorgänger, und war wegen seines schwankenden Thrones zur Vorsicht geneigt. Es ist immer noch weitaus das wahrscheinlichste, daß es ihm mit dem Judenschutz ernst war. Er hat ja auch in Baden und an manchen anderen Orten in ähnlichen Sachen zugunsten der Juden interveniert. Aber er hat schließlich seine Wünsche in seltsamer Weise zum Ausdruck gebracht, indem er das Ganze auf eine fiskalische Abgelegenheit hinausspielte, und von der Stadt Regensburg Geld für ihren Ungehorsam, von den Juden aber noch mehr Geld wegen des ihnen gewährten Schutzes nahm. Insgesamt waren es 18 000 f 1. Schließlich blieb der ganze Betrag an den Juden hängen. Das kaiserliche Ansehen hat durch dieses Vorgehen nicht gewonnen. Zwar stammt das oft gegen den Kaiser zitierte Wort: er wolle (an den Juden) „mitnießen", wahrscheinlich von der Hintertreppe, aber zu denken gibt doch das ironische Wort des Kardinals Alexander: „Ueber diesen Knochen sind viele Hunde her". (Der Kardinal wird