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Menorah · 1928-11-01 · Heft 11-12 (November 1928) · p. Seite 662

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
6 (1928)
Issue
Heft 11-12 (November 1928)
Article
Die Juden in München
Date
1928-11-01
Page
Seite 662 (sequence 3)
Language
German
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662 MENORAH Auf ein Gerücht, die Juden hätten ein Kind getötet, brach die Raserei des Volkes los und man erstürmte das Judenvierteh Der größte Teil der Gemeinde hatte in der Synagoge Zuflucht gesucht, gegen die sich nun der wütende Pöbel -wandte; und ob auch der Herzog, Ludwig der Strenge, aus der Residenz herbeieilte, um die Unglücklichen zu schützen, und Amtspersonen Hilfe zu bringen versuchten — das zügellose Volk legte an das Gotteshaus Feuer, und 180 Seelen fanden in den Flammen den Tod, am 12. Oktober 1285. Die Namen dieser jyj^ö *BintP (Märtyrer von München) sind im sogenannten „Nürnberger Memorbuch" erhalten, das sich heute in Mainz befindet. Die beigegebene Abbildung zeigt das betr. Blatt mit dem Eintrag vom 12. Marcheschwan 5046 (= 1285 n. d. gw. Zeit). Zwei Jahre nach dieser Katastrophe durften sich Juden wieder ansiedeln und eine Synagoge bauen. Längere Zeit schweigen die Nachrichten über die Gemeinde, bis im Jahre 1345 wiederum ein Ritualmordmärchen mehrere Opfer forderte. Vier Jahre später, in der schlimmsten Zeit, die unsere Vorfahren in Deutschland durchzumachen hatten, in der fast keine Gemeinde von grausamen Verfolgungen verschont blieb und u. a. auch die Gemeinden Augsburg, Nürnberg, Würzburg schwer zu leiden hatten, gab die ebenso unsinnige Anschuldigung der Brunnenvergiftung Anlaß zu einer neuen Verf olgung, deren Einzelheiten mit den Namen der Märtyrer wiederum das genannte Nürnberger Memorbuch verzeichnet. Das Jahr 1413 sah wiederum eine blutige Verfolgung, diesmal wegen einer angeblichen Hostienschändung (damit auch diese Anklage in der Geschichte der Münchener Juden nicht fehle). Aus dem Jahre 1416 berichtet eine Urkunde, daß die Herzöge Ernst und Wilhelm den Juden in München für sich und alle ihre Nachkommen einen Friedhof „zwischen Moosach und dem Rennweg" anwiesen, wie ihnen in dieser Urkunde auch zugesichert wurde, daß sie „alle Rechte und Freiheiten wie andere Juden in deutschen Ländern haben sollten". Entgegen diesem Versprechen wurden sie jedoch bereits 1440 von Herzog Albrecht III., dem Frommen, aus München vertrieben, ihre Synagoge ward in eine Kirche umgewandelt. So schließt die erste Periode der Geschichte der Juden in München. Es war ihnen, wie man sieht, nichts erspart geblieben; auch in den Zeiten, in denen keine blutige Verfolgung über sie hereinbrach, waren sie den beschränkenden und entehrenden Verordnungen unterworfen, die den Juden im Mittelalter das Leben so entsetzlich schwer machten. So hatte 1370 eine polizeiliche Verordnung bestimmt, daß kein Metzger den Juden Fleisch verkaufen, kein Bader ihnen ein Bad zurichten, kein

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