Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 6 (1928)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1928)
- Article
- Die Juden in München
- Date
- 1928-11-01
- Page
- Seite 661 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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DIE JUDEN IN MÜNCHEN 661 ken von Graetz und Dubnow, neben denen auch Stobbe seinen Wert behauptet. Die vorliegende anspruchslose Darstellung stützt sich auf die dem Kenner bekannten Quellen, neben denen noch die „Geschichte der Chewra Kadischa München" von H. Ehrentreu und die in der „Bay. Israelitischen Gemeindezeitung" veröffentlichten Aufsätze von Dingfelder, Kirschner, Schöpf lieh und Weinberg in den Jahren 1925—1927 genannt seien. ahe an den Grenzen Münchens vorbei führt die uralte Römerstraße Salzburg—Augsburg; eine Unzahl von Ueberresten, — Lager, Straßenzüge, Steindenkmäler, — die in der Umgebung Münchens zu finden sind, erinnert an diese Zeit des zu Ende gehenden Altertums, in der wohl auch mancher unserer Vorfahren mit den römischen Legionen, als Soldat oder Handelsmann, die Isar überschritten haben mag. Noch freilich konnte sich das Voralpenland an Bedeutung mit den anderen Teilen Deutschlands, insbesondere der Rheingegend, nicht messen, wo die Römer seit ihrem ersten Auftreten in Deutschland Kolonien errichtet hatten. Hier, in Vindelicien, waren es lediglich die alten Römerstädte Augusta Vindelicorum (Augsburg),Castra Regina (Regensburg), Juvavum (Salzburg), die auf ein annähernd ebenso hohes Alter zurückblicken können, wie die römischen Stadtgründungen am Rhein. In einem viel späteren Jahrhundert, schon zur Zeit der „Städtegründungen", entstand München, einige Kilometer nördlich vom Uebergange der alten Römerstraße über die Isar. 1158 war es, als Heinrich der Löwe den bekannten Gewaltstreich führte und die neuere Straße über die Isar von der Brücke bei Föhring ablenkte, woselbst die großen Salztransporte eine reiche Einnahmequelle für die Freisinger Bischöfe bildeten, und sie an die Stelle des heutigen München legte. Die von Heinrich dem Löwen gegründete und mit Mauern umgebene Stadt kann noch nicht lange bestanden haben, als auch schon Juden sich in ihr ansiedelten. Berichten doch alte Urkunden schon aus der Zeit vor 1200 von ,,mercatores de Munichen" (Münchener Kaufleuten), unter denen mit großer Wahrscheinlichkeit Juden anzunehmen sind. Bereits im Jahre 1210 hören wir, daß sie im damaligen Judengäßlein (d. i. die jetzige Gruftstraße an der Rückseite des Rathauses) eine Synagoge, 1225 einen Begräbnisplatz errichteten. Der erste mit Namen bezeichnete Jude findet sich in einer Urkunde vom Jahre 1229 als Abraham, der Municher. Dieser ersten Münchener Judengemeinde sollte langer Bestand nicht gegönnt sein. 1285 war das Unglücks jähr, in welchem auch hier das Ritualmordmärchen seine unheilvolle Wirkung ausübte.